Webby-Absage: Ende einer Ära - DER SPIEGEL
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Webby-Absage Ende einer Ära

Seit 1996 gelten die Webby-Awards als Oscars der Internet-Branche. Doch mit dem Niedergang des Wirtschaftszweiges musste auch die einst glanzvolle Veranstaltung mächtig Federn lassen. In diesem Jahr, verkündeten die Veranstalter nun überraschend, fällt sie aus.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mit dem beginnenden Dotcom-Boom schien sich eine neue kreative Branche anzuschicken, die "Old Economy" in ihren Grundfesten zu erschüttern. Kein Wunder, dass die gefeierten Start Ups schnell auch nach einem Rahmen suchten, die besten unter ihnen auszuzeichnen: 1996 wurden in San Francisco erstmals die Webby Awards verliehen. Schnell avancierte die kultig-witzige Veranstaltung mit ihren hemdsärmeligen, auf nur fünf Worte reduzierten Dankreden zur Oscar-Nacht der Dotcom-Branche.

Auf dem Höhepunkt des Dotcom-Booms füllten die Veranstalter mit Leichtigkeit Hallen mit bis zu 3000 zahlenden Gästen - und dann ging es in jeder Beziehung abwärts. Auch Webby-Awards schützten gefeierte Preisträger nicht vor dem Bankrott: Den Webbys ging nicht nur der Grund für rauschende Feiern aus, sondern auch das Geld dafür. In diesem Jahr sollte die für den 5. Juni angesagte Feier in einer bescheidenen, gerade 300 Gäste fassenden Halle stattfinden - doch noch nicht einmal die hätten die Veranstalter füllen können.

Jetzt sagten sie die Festnacht ab und verlegten die Preisverleihung ins rein Virtuelle: Künftig, heißt es in einer Pressemitteilung der International Academy of Digital Arts & Science, sollen die einst so begehrten Awards per Internet vergeben werden. Zu viele der Gäste und Nominierten lebten außerhalb von San Francisco, und IT-Flaute, Krieg, SARS- und Terrorangst machten es unwahrscheinlich, dass viele von ihnen anreisen würden.

"Die Awards in San Francisco zu verleihen", erklärte Academy-Mitbegründerin Maya Draisin, "ohne dass alle Preisträger anwesend sind, erachten wir als sinnlos". Nun habe man entschieden, den Award zu den Leuten zu bringen und nicht umgekehrt.

Derzeit suche man nach Medienpartnern, die auch dem virtuellen Event den nötigen Glanz verleihen könnten. Derweil verkauft Webby-Erfinderin Tiffany Shlain die offenkundige Niederlage so positiv wie möglich. Shlain: "Unsere Nominierten nutzten das Web in neuer und einfallreicher Weise, um Menschen zusammen zu bringen. Wir wollen diesem Beispiel folgen und das Medium nutzen, sie auf eindruckvolle Art und im spezifischen Webby-Stil zu ehren." Wie das aussehen soll, darüber will sie in den nächsten Wochen nachdenken.