Webby-Awards Tolle Stimmung auf der "Titanic"
San Francisco - "Diese Web-Leute haben ein verdammt hartes Jahr hinter sich, da wird doch einmal ein fröhlicher Abend nicht zuviel verlangt sein", warb der Internetdienst "Wired" süffisant um Verständnis für die Veranstaltung im War Memorial Opera House in San Francisco. Rund 3000 Gäste in Party-Laune waren zu einem der wenigen verbleibenden Party-Highlights der Branche erschienen. Unter den Nominierten befanden sich auch zahlreiche Pleitiers, deren Netz-Firmen mittlerweile Bankrott angemeldet haben.
Insgesamt waren 150 Websites in sage und schreibe 30 Kategorien für einen Webby, den formschönen Preis in der Anmutung einer Spiralfeder, vorgeschlagen. Nur 5 der 150 Preisanwärter kamen aus Europa. Ausgesucht wurden die Preisträger von den 350 Mitgliedern der "Academy of Digital Arts and Sciences". Das ist eine Jury, der Berühmtheiten wie David Bowie, Björk, Oracle-Chef Larry Ellison und Regisseur Francis Ford Coppola angehören.
Ehren-Webby für Mail-Veteranen
Der Webby in der exotischen Sparte "Aktivismus" ging an VolunteerMatch, eine Website, die freiwillige Helfer in aller Welt unterstützt. Als beste Finanz-Seite wurde Yahoo!Finance gewählt, als beste Musik-Seite Sputnik7.com. Der Webby für "Verrücktheit" ging an Peter Pan's Homepage. Ihr Betreiber, Randy Constan aus Florida, nahm die Trophäe im Peter Pan Kostüm entgegen. Zu den nicht-amerikanischen Gewinnern gehörten die britischen Webseiten von BBC-Radio und dem Wissenschaftsmagazin "Plus Magazine". Zwei Internetpioniere wurden mit einem Spezial-Webby für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Bereits vor 35 Jahren hatten Ray Tomlinson und Douglas Englebart die ersten E-Mails verschickt. Der Ehren-Webby wurde zum ersten Mal verliehen.
Nach strengen Webby-Vorschriften mussten die Preisträger nach Empfang der Trophäe, einer stilisierten Silberspirale, ihre Dankesrede auf fünf Wörter beschränken. "Bankrott war niemals so schön", sagte einer der Ausgezeichneten vom "Plastic"-Magazine bei der Verleihung. Wie wahr.