Webmagazin "Slate" Tschüß, Microsoft!
Vor acht Jahren war "Slate" als trendiges Online-Magazin gestartet. Bekannt wurde es unter anderem mit den sprachlichen Fehltritten von Präsident George W. Bush ("Bushism"), die später sogar in Buchform veröffentlicht wurden. Vor Ausbruch des Irak-Kriegs hatte "Slate" mit dem so genannten Saddameter die Wahrscheinlichkeit einer Invasion angegeben.
Microsoft hat das Magazin nun an die "Washington Post" verkauft - ein Wechsel, der die Slate-Macher und -Leser wohl gleichermaßen beruhigt. Bei Microsoft galt "Slate" als schräger Vogel, der nicht so recht zum Firmenimage passt.
Die Macher von "Slate" empfanden ihre Arbeit immer wieder als Gratwanderung. Bei Berichten über Microsoft standen sie stets unter dem Generalverdacht, parteiisch zu sein - schließlich kam das Geld für das defizitäre Webmagazin vom Eigentümer Microsoft.
"Wir werden das prunkvolle Heim von Bill Gates verlassen und in das generöse Anwesen von [Washington-Post-Chef] Don Graham einziehen", schreibt Slate-Chefredakteur Jacob Weisberg seinen Lesern . Niemand brauche drastische redaktionelle Änderungen befürchten. Washington-Post-Chef Graham habe "Slate" gekauft, weil er das Magazin so möge, wie es sei.
Bei Microsoft bedankte sich Weisberg ausdrücklich für die gewährte redaktionelle Unabhängigkeit. Man habe Artikel veröffentlicht, die kaum auf Gegenliebe bei den Eignern gestoßen sein dürften. Doch es habe keinerlei Einflussnahme oder Vorwürfe gegeben.
Bei der "Washington Post" erwartet man offenbar, dass "Slate" profitabel arbeiten soll. Man sei jedoch geduldig und darauf vorbereitet, dass dies eine Weile dauern könne, sagte Weisberg. "Ich bin sicher, dass wir den richtigen Käufer für 'Slate' gefunden haben."