Webvideopreis So funktionieren Rating-Agenturen
Jetzt mal ehrlich: Können Sie erklären was Rating-Agenturen sind, wo sie herkommen und was sie machen? Dass sie für ihr Tun immer wieder kritisiert werden, weiß man. Dass ihr Urteil ganze Volkswirtschaften in Krisen stürzen kann auch. Aber wieso das so ist und wie die Bonitätseinstufungen zustandekommen, mit denen die Agenturen Unternehmen, Banken, Wertpapiere und sogar ganze Länder bewerten, kann kaum jemand erklären. Kein Wunder, denn Rating-Agenturen sind ein komplexes Thema, dem beispielsweise die Wikipedia etliche Seiten Text widmet.
Dass es auch anders geht zeigt das Video "Ratingagenturen einfach erklärt ". Hergestellt wurde der Acht-Minuten-Film von Mitarbeitern des Moving Image Labs an der Leuphana Universität Lüneburg. Es ist Teil eines Projekts mit dem Titel Explainity , das zum Ziel hat, komplexe Themen auf die wesentlichen Informationen zu reduzieren und leicht verständlich darzustellen.
Genau so wie im Fall des nominieren Videos, das in einfacher Legetrick-Technik mit einem simplen Camcorder aufgenommen wurde. Den Zusammenschnitt der so erzeugten Filme haben die Macher auf einem Mac mit der Videosoftware iMovie erledigt. Hightech ist das nicht. Dem Charme der Videos tut das keinen Abbruch. Da werden plakativ gezeichnete Symbole auf und über die Bildfläche geschoben, umsortiert und wieder abgeräumt, wenn sie ihre Schuldigkeit getan haben.
Ein Sprecher liest dazu einen Erklärtext. Und da liegt wohl die einzige Schwäche der Explainity-Videos: Zwar spricht der Sprecher seinen Text professionell ins Mikrofon, doch das nimmt dabei auch reichlich Umgebungsschall auf, den man mit einfachen Mitteln hätte abdämpfen könnte. Auch bemängelt im YouTube-Forum ein Nutzer, dass die Sound-Effekte zu laut abgemischt seien.
Doch sei's drum, die schlichte Art mit der von Explainity komplexe Zusammenhänge veranschaulicht werden, hat Charme. Auch weil die Videos auf YouTube gestellt werden und dort für jedermann kostenlos abruf- und verwendbar sind.
Das Video über Rating-Agenturen ist in der Kategorie FAQ/RTFM (Frequently Asked Questions/Read The Fucking Manual) für den deutschen Webvideopreis nominiert, in der Video-Gebrauchsanleitungen und Servicefilme ausgezeichnet werden sollen. Bis zum 29. März kann man auf den Seiten des Webvideopreises für das Video abstimmen .
Der deutsche Webvideopreis wurde im Jahr 2011 zum ersten Mal vergeben. In diesem Jahr wurden in neun Kategorien Dutzende Netz-Filme nominiert, aus allen nominierten Einreichungen konnte jeder Interessierte vom 1. März bis 29. März online die Publikumspreisträger 2012 wählen. Die Gewinner der Abstimmung wurden zusammen mit den Jury-Preisträgern am 31. März 2012 in Düsseldorf gekürt. SPIEGEL ONLINE ist Medienpartner des Deutschen Webvideopreises .