Webwanderführer: Der Klick zum fertigen Referat - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Webwanderführer Der Klick zum fertigen Referat

Bei Schülern und Studenten war das Buch "Schummeln - aber richtig" vor Jahren ein Renner. Das Internet bietet mittlerweile ganz andere Möglichkeiten, sich vor Zeit raubenden Aufgaben zu drücken.
Von Alexander Richter
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Netz strotzt vor Sites, die geplagten Lernenden Hilfe anbieten - egal um welchen Fachbereich es geht. Besonders beliebt sind die URLs, die mit einem Klick die Arbeit von Stunden oder gar Tagen erledigen. Hausarbeiten, Referate und spezifische Hintergrundinformationen warten im Cyberspace auf Abrufe.

Es gibt aber mindestens zwei Probleme bei dieser Schummelhilfe. Zum einen sollen unbestätigten Gerüchten zufolge so manche Lehrer und Dozenten inzwischen erste virtuelle Erfahrungen gesammelt haben und nicht mehr auf die Hilfe des Computercracks aus dem sechsten Jahrgang angewiesen sein, um sich im World Wide Web zurechtzufinden. Aus dem Netz entliehene Referate sollten somit nur noch das Fundament sein, um Noten aufzubessern. Wird die Arbeit originalgetreu übernommen, ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass der "Täuschungsversuch" auffliegt und mit einer Sechs bestraft wird.

Das andere Problem ist das Angebot an sich. Es ist derart gewachsen, dass es schwierig ist, die Spreu vom Weizen zu trennen. Einige URLs versprechen mit ihrem Namen mehr, als sie halten, sind so kryptisch, dass man nicht sofort auf sie stößt, oder die Datenbanken sind kostenpflichtig.

Die vermutlich größte Ressource

Klassiker sind mittlerweile Hausarbeiten.de oder Referate.de. Hausarbeiten.de bietet mehr als 7000 Texten aus 71 Fachgebieten. Jeder kann eigene Referate in die Datenbank einbringen und andere Arbeiten bewerten. Die siteeigene Suchmaschine erlaubt allerdings nur eine Stichwort- oder Fächerrecherche. Die Domain bietet das wohl umfangreichste Archiv zum Thema "Hausarbeiten" im deutschsprachigen Netz. Außerdem trumpft sie auch mit Infos auf, die sich nicht nur an Schüler, sondern auch an Studenten wenden. Chat, Diskussionsforen, Jobvermittlung und Schmankerl wie Free-SMS runden den Auftritt ab.

Referate.de verspricht dagegen mehr, als es hält. Die Datenbank ist nicht so groß wie Hausarbeiten.de. Auch wird der User zunächst auf Referate.org geleitet, die wiederum auf .com-, .at-, .ch- oder die .de-Site linkt. Das Commercial-Angebot ist aber im Gegensatz zu den anderen drei kostenpflichtig. Referate.de bietet zwar ebenfalls Chat und Foren an, das eigentliche Angebot wird aber von einer nicht sehr leistungsstarken Suchfunktion unterstützt. Einzig eine Stichwortrecherche ist vorgesehen. "Eine Volltextsuche ist jedoch nur auf unserer Referate CD-Rom möglich", heißt es auf der Seite. Nur die soll mit 29,90 Mark erst einmal bezahlt werden.

Die beste Suchmaschine

Die beste Suchmaschine mit dem größten Datenbestand bietet Fundus.org. Mehr als 4500 Arbeiten sind erfasst, die im Volltextmodus durchforstet werden können. Alternativ kann man sich auch durch die einzelnen Fächer durchklicken. Praktisch ist auch die Möglichkeit, sich die gefundenen Arbeiten entweder als HTML-Datei anzeigen zu lassen oder als Zip-Datei herunterladen zu können. Die spärlichen Informationen im Suchergebnis mindern jedoch den positiven Eindruck des Angebots.

Wesentlich besser ist die Ergebnisliste von Spickzettel.de. Angaben zu Schulart, Schuljahr, Fach, erteilter Note, siteinterner Benotung und Anzahl der Abrufe helfen, schnell die geeignete Hausarbeit zu finden. Außerdem kann im Volltext, nach Stichworten oder Schulfächern gesucht werden. Referate, die man selbst bereitgestellt hat, kann man auch nach dem Upload noch verändern. Der große Nachteil der Seite ist jedoch, dass die Arbeiten nur im HTML-Format abrufbar sind und somit mühselig am Rechner nachbearbeitet werden müssen. Dafür bietet Spickzettel.de aber Nachhilfenvermittlung und Lösungen für Hausarbeiten an.

Bei Terminal.at ist zwar eine Volltextsuche vorgesehen, bei dem Test funktionierte sie aber nicht. Dafür brachte die Recherche nach Fächern gute Ergebnisse. Die angebotenen Fachbereiche gehen weit über normale Schulfächer hinaus und wenden sich auch an Studenten. Als Suchergebnis bekommt man neben Titel, Stichworte, Umfang und Datengröße der Arbeit die Wahl zwischen einer HTML-Version oder einer Winword-Datei zum Herunterladen. Ein kleines Gimmick ist die Statistikfunktion, die über erfolgreiche und fehlgeschlagene Datenbankanfragen Auskunft gibt. Knapp 1000 Referate sind erfasst.

Metasuche

Wem es zu mühselig ist, sich durch die einzelnen Angebote durchzuklicken, kann auch mit einer übergreifenden Suchmaschine ans Ziel kommen. Kosh.de fragt mehrere Datenbanken mit Referaten ab. Sollte man immer noch nicht das Passende gefunden haben, gibt es noch weitere URLs: Youngstars.de, Young.de, Schulhilfen.com und Referate.nu.

Auch ohne Referate zum Ziel

Ein besonderer Tipp zum Schluss: Schule-im-Netz.de bietet nicht nur Informationen rund um die Schule, sondern auch Links zu vielen Quellen im Netz. Hier gibt es in der Regel keine fertigen Hausarbeiten, sondern die Materialien, um ein eigenes Referat anzufertigen, ohne in die Bibliothek laufen zu müssen. Ähnliches bieten auch Zum.de und die Sites vom Schulfernsehen wie etwa die des Bayrischen Rundfunks oder des Südwestrundfunks.