Welt-Archiv: Google will Zeitungen scannen - DER SPIEGEL
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Welt-Archiv Google will Zeitungen scannen

Die Google-Datenbank wächst weiter: Nach dem Scannen von historischen Büchern wollen die Suchmaschinisten nun auch Zeitungsarchive digitalisieren. Das riecht nach Ärger mit den Verlagen - diesmal aber soll alles friedlich geregelt werden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Man werde "alte Zeitungen zugänglicher und online durchsuchbar machen", heißt es in einer Mitteilung im offiziellen Google-Blog , und zwar "in Zusammenarbeit mit Zeitungsverlagen". Man werde "Millionen von Seiten" digitalisieren, die bislang fast unzugänglich in den Archiven lagern.

Die Kosten für den Digitalisierungsprozess will Google selbst tragen, monetarisiert werden soll das Projekt am Ende durch Werbung neben den gescannten Zeitungsseiten. So sollen auch die Verleger wieder an ihren Inhalten mitverdienen können.

Das Angebot richtet sich zunächst klar an kleinere Blätter, die den technischen und finanziellen Aufwand scheuen, der mit der Digitalisierung ihrer Print-Archive verbunden wäre. Bei Google schätzt man, dass es weltweit "Milliarden von Nachrichtenseiten" gibt, die "jede Story enthalten, die jemals geschrieben wurde".

Marissa Mayer von Google sagte bei der Vorstellung des Projektes bei einer Konferenz in San Francisco: "Das ist wirklich gut für die Zeitungen, weil wir eine ältere Generation journalistischer Beiträge online bringen und gleichzeitig die Leserschaft von Newsarchiven vergrößern können." Das dürfte mancher Verleger anders sehen - viele betrachten ihre Archive nicht zu Unrecht als sorgsam zu hütenden Schatz, an dem man wenn überhaupt selbst verdienen sollte.

Zunächst scheinen folgerichtig vor allem kleinere Zeitungen aus Nordamerika mit im Boot zu sein. Der Google-Blogeintrag nennt explizit nur die "Pittsburgh Post-Gazette" und den "Quebec Chronicle-Telegraph", Google zufolge "die älteste Zeitung Nordamerikas", deren Archive 244 Jahre weit zurückreichen sollen. Mayer demonstrierte das Produkt unter anderem anhand eines Ausschnitts aus der "Virgin Islands Daily News" über den Beginn des "Space Shuttle"-Programms der Nasa.

Die bereits bestehende "News Archive Search" von Google, eine Untersektion von Google News, durchsucht bereits jetzt auch die Archive der "Washington Post" und der "New York Times" - die ausgeworfenen Links führen dann allerdings nicht auf gescannte Seiten sondern in die Original-Angebote. Viele der älteren Treffer im "News Archive" sind zudem Bezahl-Links, die in die kostenpflichtigen Archive der Zeitungen führen. Künftig sollen mehr und mehr Treffer aber auf eingescannte Original-Zeitungsseiten verweisen. Die "New York Times" hat kürzlich erst ein eigenes Digitalisierungsprojekt abgeschlossen: Das komplette Archiv der Zeitung ist für Abonnenten online durchsuchbar. Auch der SPIEGEL hat seine Archive vollständig ins Netz gestellt - allerdings kostenfrei und für jeden jederzeit durchsuchbar, über SPIEGEL WISSEN.

Bei der Vorstellung des Google-Projekts war von "über hundert Zeitungen" und Mikrofilm-Archiven wie "Heritage Microfilms" die Rede, die zunächst daran teilnehmen sollen. Viele Verleger dürften allerdings große Bedenken haben, ihre Archivschätze ausgerechnet Google zur Verbreitung zu überantworten. Denn nicht erst seit Google News ist das Verhältnis zwischen denen, die vom Herstellen von Inhalten leben, und dem Suchmaschinenbetreiber angespannt. Kritiker monieren immer wieder, Google profitiere von dem, was andere erarbeitet hätten. Diverse Zeitungen, Verlage und Dachorganisationen haben bereits gegen Google News und auch gegen die Büchersuche geklagt.

Das neue Projekt soll nun ausdrücklich mit der Einwilligung der jeweiligen Publikationen durchgeführt werden.

cis

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