Weltmeister Fifa: Kicken und Klicken - DER SPIEGEL
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Weltmeister Fifa Kicken und Klicken

Welche Sportart im Web wirklich zählt, beweist die derzeitige Fußball-Weltmeisterschaft: Da wird gekickt und geklickt, was das Zeug hält.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Man hatte sich auf eine Menge eingerichtet bei der Fifa: Klar, dass das Interesse an der Fußball-WM auch im Web dieses Mal ganz besonders groß sein würde. Schließlich hatte die Fifa sich für einen Austragungsort entschieden, der sicherstellte, dass das Gros der Fußballfans in aller Welt zur besten TV-Übertragungszeit entweder selig schnarcht oder wegen Büroarbeitsstunden weder schnarchen noch fernsehen darf.

Wie gut, dass es das Web gibt: Da klickt es sich doch mal locker und unauffällig in die Welt des Fußballs. Die Tastenkombination ALT/TAB lässt den diskreten Fan zwischen Bilanzzahlen und Brasilien-Spiel hin und her hüpfen.

Das bekam die Fifa schon am ersten Tag zu spüren: Selbst das Eröffnungsbrimborium nebst mittelmäßig interessantem Eröffnungsspiel wollten sich rund 34 Millionen Fans im Web erklicken. Danach hieß die Order nur noch: Ausbau, und zwar sofort.

Gut getan, denn seitdem steigt die Fieberkurve unaufhörlich. Am Montag schoss die Fifa den Vogel ab und nebenbei jeden gültigen Rekord für eine Sportberichterstattung im Internet. Unglaubliche 79,7 Millionen Klicks erntete die Fifa-Seite an nur einem Tag. Wund freuen dürfte sich darüber wohl Yahoo!, die das Weltmeisterschaftsangebot  hosten und vermarkten.

Die Fifa bietet ihre Berichterstattung in insgesamt sieben Sprachen an und schlüsselt die Log-Statistiken auch entsprechend auf. Rund 52 Prozent aller Seitenaufrufe werden in englischer Sprache gewünscht. Deutsche Surfer dagegen sind unterrepräsentiert: Gerade einmal 7,7 Prozent der Logs entfallen auf die deutschen Fifa-Seiten: Ob das etwas damit zu tun hat, das deutsche Surfer besser versorgt werden als die in der englischsprechenden Welt?

Die Fifa mag mit ihrem Klickerfolg Nutznießer der im Vergleich miesen Performance der Webseiten der Gastgeberländer sein. Weder in Japan noch in Korea hatte man sich offenbar auf ein sonderlich hohes Surferinteresse eingerichtet: Keynote Systems, ein Unternehmen, das sich auf die Performancemessung von Websites spezialisiert hat, meldet für beide Seiten miese Daten. Oft seien die Server für längere Zeit überhaupt nicht erreichbar, aber immer unverhältnismäßig langsam. Das Fazit der Performancemesser: rote Karte für die Webauftritte der Gastgeber.