Werbung online: Wer surft da bitte hin? - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Werbung online Wer surft da bitte hin?

Zapp! Werbeeinblendungen in TV und Internet verursachen zuckende Reflexe: Kaum jemand schaut sich so was freiwillig an. Im Web jedoch blühen reine Werbeseiten - für Fans wie Werbegegner. Und siehe da: Die Angebote sind Publikumserfolge.
Von Jochen A. Siegle
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"All the ads, none of the shows" wird der Surfer auf der Website von Ads.com  begrüßt: Dies ist keine werbe-, aber garantiert eine inhaltfreie Zone.

Und wer surft da bitte freiwillig hin, darf sich der verwunderte Web-Nutzer an dieser Stelle getrost fragen. Doch überraschenderweise scheint es derartigen Internetangeboten an Surfkundschaft nicht zu mangeln.

Ads.com-Konkurrent AdCritic musste vergangenes Jahr sogar seine virtuellen Pforten schließen, da das Unternehmen dem Ansturm interessierter Konsumenten und "Industry Professionals" nicht mehr gewachsen war und die hohen Bandbreitenkosten für das Online-Streaming der Spots nicht mehr decken konnte.

Um bei Ads.com ein ähnliches finanzielles Desaster zu vermeiden, beteiligen sich Firmenangaben zufolge die Werbungstreibenden an den Bandbreitenkosten. Zudem werden Spot-Bewertungen von Internetnutzern an die Firmen weitergeleitet - die dafür natürlich ebenfalls bezahlen sollen.

AdCritic wurde mittlerweile von der Ad Age Group, einem Ableger von Crain Communications und unter anderem Verleger des Fachblattes "Advertising Age", übernommen. Für diesen Sommer plant das New Yorker Unternehmen den Start eines neuen Online-Fernsehspot-Angebots. Mit AdReview.com  betreibt die Ad Age Group bereits ein Download- und Rating-Portal für TV-Werbung.

Berühmter, sicherlich berüchtigter aber ist bereits seit Mitte der Neunziger die ideologische Konkurrenz des "Adbuster"-Magazins  und seiner Website. Da wird argumentiert, polemisiert und agitiert gegen die Kommerzwelt.

Der populärste Teil des Angebotes, der wahren Kultstatus genießt, ist aber so etwas wie ein Widerspruch in sich: Die "Spoof ads". Das sind teils hoch intelligente, zynische Kommentare zur Glitterwelt der Werbung - die selbst als "gefakte" Anzeigen daherkommen. So schön, dass sie schon wieder echt wirken.