Wettbewerb Fälscher im Photoshop
Die Aufgabe an die Hobby-Fälscher erwies sich als echte Herausforderung. "Platzieren Sie Werbelogos an Stellen, an denen man diese nicht erwarten würde" - so lautete die knappe Botschaft auf der Website worth1000.com , die seit Jahren knifflige Bildbearbeitungsaufgaben stellt. Mitmachen kann jeder, der sich bei den Betreibern der Seite registriert hat.
Allerdings müssen sich Anfänger hüten: Bilder, die ein gewisses Qualitätsniveau unterschreiten, fliegen gnadenlos aus der Bildergalerie. Auch anstößige Motive werden sofort gelöscht.
Die Teilnehmer des Logowettbewerbs bemühten althergebrachte Ideen - so mutierte das Fellmuster einer Giraffe zu einem Nike-Symbol -, schreckten aber auch nicht vor Institutionen wie der Katholischen Kirche zurück. Da findet sich der Papstsarg plötzlich inmitten eines überdimensionalen Red-Bull-Plakats auf dem Petersplatz in Rom wieder, oder ein Kardinal trägt Trikotwerbung wie ein Profifußballer.
Der Mond scheint es den Bildfälschern besonders angetan zu haben: Die Logos von Apple, Diet Coke und Starbucks wurden auf den Erdtrabanten drapiert.
Mancher dachte sogar: Ein Logo platzieren kann jeder, so wurden Elefanten, eine Rakete oder ein US-Militärjeep zu einer Art Litfasssäule - die Täuschung ist perfekt.
Auf Worth1000.com haben sich mittlerweile rund 150.000 Bilder in mehr als 4000 Galerien angesammelt. Die Zugriffszahlen sind so hoch, dass die Betreiber den Traffic ohne Einnahmen aus Onlinewerbung nicht mehr finanzieren könnten. Eingereichte Arbeiten wurden auch schon in Buchform veröffentlicht.
In angeschlossenen Foren fachsimpeln die User über neue Tricks. Tutorials helfen Neulingen bei den ersten Gehversuchen mit Programmen wie Photoshop oder Paint Shop Pro.
Avi Muchnick, Gründer von Worth1000.com, will mit seiner Seite nicht nur Spaß an der Bildbearbeitung vermitteln, sondern auch sensibilisieren. "Bei digitalen Bildern ist alles möglich und das bedeutet, dass man den Medien immer weniger trauen kann", sagte er in einem Gespräch mit dem Magazin "Wired". Es sei inzwischen Routine für viele Leute, alles in Frage zu stellen.
Nach seiner Einschätzung verlassen die Manipulationen den Bereich des klassischen Kunstbegriffs: "Wenn etwas so real ist, dass es nicht mehr von der Wirklichkeit unterschieden werden kann, dann ist es keine Kunst mehr."
Die User haben mittlerweile eigene Wettstreite entwickelt, sie spielen beispielsweise so genanntes Photoshop-Tennis. Dabei bearbeiten zwei oder mehr Personen abwechselnd dasselbe Bild.
Die Sieger eines Wettbewerbs bestimmen die registrierten User übrigens selbst. Jeder darf Punkte vergeben, die Wertungen besonders aktiver Mitglieder haben dabei größeres Gewicht. Als Preis winkt in erste Linie Ruhm und Ehre. Die Rechte an den eingereichten Fotos verbleiben bei den Mitgliedern. Die Betreiber von 1000worth.com behalten sich jedoch vor, die Bilder zu Werbezwecken für die Seite einzusetzen.
Holger Dambeck