"Wiggles": Herzige Zwerge - DER SPIEGEL
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"Wiggles" Herzige Zwerge

Kaum eine Spielereihe war in den letzten Jahren so erfolgreich wie die Aufbaustrategie "Die Siedler". Auch die "Wiggles" bewegen sich zielsicher im Kielwasser des Siedler-Erfolges. Doch kann das genug sein?
Von Martin Schnelle
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Aufbau-Strategiespiele sind hier zu Lande trotz allgemeiner Krise im PC-Unterhaltungsbereich immer noch sehr populär: "Die Siedler"-Reihe etwa gilt als Lizenz zum Gelddrucken, und das Anfang 2002 erscheinende "Anno 1503" ist Sunflowers immerhin eine zehn Millionen Mark schwere Werbekampagne wert.

Für die Wiggles, eine Mischung aus "Die Sims" und "Die Siedler 4", haben sich die Programmierer natürlich eine Vorgeschichte ausgedacht. Fenris, das Schoßhündchen des Gottes Odin, macht sich selbstständig und zerreißt seine göttliche Hundeleine. Odin, mit dieser Lage offensichtlich hoffnungslos überfordert, wendet sich an die Wiggles, um ein neues Halsbändchen zu schmieden, das dann hoffentlich besser hält.

Der Wuselfaktor

"Wiggles" hat etwas, was in der Fachpresse schon seit Jahren der "Wuselfaktor" genannt wird. Das ist ein Synonym für ein Phänomen, das vor allem deutsche Computerspieler bei Aufbau-Strategiespielen zeigen: Völlig verzückt sitzen die Leute vor dem Bildschirm und sehen zu, wie kleine Männchen Häuser bauen, Rohstoffe heranschaffen und des Lebens lustig sind. Die Extremform "Die Sims" beschränkt sich sogar ausschließlich auf den voyeuristischen Effekt, anderen Lebewesen bei ihrem Privatleben zuzuschauen - "Small Brother" am PC.

Auch die Wiggles gewähren Einblicke ins Private - aber immerhin hat das Spiel ein Ziel, auf das Spieler und Gnome hinarbeiten. Neben dem ominösen Halsband produzieren die kleinen Kerle Nahrungsmittel, Werkzeuge und Unterkünfte, außerdem graben sie Tunnel, denn sie leben ja unterirdisch. Jeder von ihnen hat eigene Eigenschaften, außerdem mögen sie nicht den ganzen Tag arbeiten - neben Essen und Schlafen wollen sie auch Freizeit. In dieser stricken sie, spielen und feiern auch gern. Dabei spielen Pilzbier und andere nicht ganz legale Genussmittel eine große Rolle.

Die Konkurrenz schläft nicht

Natürlich können die Wiggles nicht einfach in Ruhe vor sich hin arbeiten, denn da gibt es noch andere Zwergenvölker mit gleichem Ziel - ja genau, das Halsband des Götterköters. Außerdem sind die unterirdischen Gewölbe von Lavageistern oder Trollen bewohnt, die den Hauptdarstellern nach dem Leben trachten. So lernen die kleinen Schützlinge beizeiten auch das Kriegshandwerk, etwa, indem man ihnen eine Holzpuppe zum Üben in ihr Gewölbe stellt.

Trotzdem gewinnt der Spieler die Plagegeister bald lieb, zumal das Spiel durch Sprechblasen mit witzigen Texten und das Verhalten der Mützenträger amüsant bleibt. Die Wiggles sind halt eine Art Super-Tamagotchi, nur dass man zwischendurch speichern kann und sich nicht ständig um die Wichtel kümmern muss. Was erneut zeigt, dass das Genre der Aufbaustrategien noch immer nicht ausgedient hat: Immer noch finden die Programmierer neue Variationen des Tamagotchi-Themas, denen man einen Erfolg zutrauen darf.

Wenige Zwerge brauchen viel Speicher

Da das Programm alles komplett dreidimensional darstellt und berechnet, ist ein starker Rechner vonnöten. Eine moderne Grafikkarte sollte im PC stecken, ebenso möglichst viel Speicher (die Mindestanforderung ist tatsächlich eine Mindestanforderung!) und ein schneller Hauptprozessor.

"Wiggles"
Innonics
Strategiespiel, ab 12 Jahren
Pentium II, 350 MHz, 128 MB RAM
Preis: ca. 90 Mark

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