Graphic Novel: "Wizzywig" vermischt reale Hacker-Biografien
Comic "Wizzywig" von Ed Piskor Action in der Hackerszene
Amerika in den siebziger Jahren: Computer sind noch beige-weiße Kisten, auf deren klobigen Monitoren pixelige Schrift flimmert. Statt Internet gibt es Mailboxen, in die man sich über die Telefonleitung einwählt - nur etwas für Nerds. Der überschlaue Teenager Kevin Phenicle ist einer von ihnen. Von ihm handelt der fast 300 Seiten starke Comic "Wizzywig" . Es ist der erste große Wurf des Illustrators Ed Piskor , der nun auch in deutscher Übersetzung erschienen ist.
Der hackende Teenager übt sich an der Manipulation des Telefonsystems, um die Gebühren bezahlen zu können, verkauft er seinen Mitschülern kopierte Spiele mit genacktem Kopierschutz. Immer tiefer gräbt sich Kevin in fremde Systeme ein, mal mit der Tastatur, mal mit bloßer Überredungskunst am Telefon oder nassforschem Auftreten gegenüber Wachmännern.
Bald ruft der Abenteuergeist von Kevin "Boingthump" Phenicle die Behörden auf den Plan. Schließlich sucht ihn das FBI, weil nicht weniger als die nationale Sicherheit gefährdet sein soll. Die Regierung weiß einfach noch zu wenig über die neue Technologie und schnappt angesichts des Wunderkinds schlichtweg über. Der Telefon-Phreaker muss fliehen, ihm droht Gefängnis, ohne Gerichtsverfahren.
Detailverliebte Hacker-Historie
Für seine Heldengeschichte hat sich Ed Piskor mit den Anfängen der Hackerkultur vertraut gemacht und die Biografien realer Vorbilder wie Kevin Mitnick, Kevin Poulsen und "Joybubbles" studiert. Sein fiktiver Kevin ist die Summe dieser Hacker. Was er durchlebt, hat so oder so ähnlich tatsächlich stattgefunden, wenn auf einem Computer "Silicon Graphics Indigo 2" steht, stimmt auch dieses Detail: "Wizzywig" ist rasant erzählte, fantastische Zeitgeschichte.
Unter all dem Material, das Piskor verarbeitet, leidet seine Hauptfigur allerdings. Anfangs ist Kevin der verklemmte Teenager, mit dem sich mitfiebern lässt. Im Verlauf der Story wird sein Innenleben immer rätselhafter, die Figuren flachen ab, ein wenig zu ernst muss die Geschichte weitergehen und an der Hacker-Historie kleben.
Dicht gepackte Zeitreise
Dafür versteht es Piskor, die Geschichte mit Action-Szenen, Zeitsprüngen und abwechslungsreichen Panels am Leben zu halten: Trotz Detailversessenheit und viel Text bleibt es richtig spannend. Als künstlerisches Vorbild nennt der 1982 geborene Piskor den Underground-Cartoonisten Robert Crumb mit seinen schrägen und schrumpeligen Figuren. Ein bisschen was davon ist in "Wizzywig" zu sehen, genau wie Piskors springende Erzählform an Harvey Pekar erinnert, dessen Storys Crumb gezeichnet hat.
Große Vorbilder also überall: Die von Piskor so bewunderten Hacker, die von ihm geehrten Crumb und Pekar. Auch ohne Wissen um die Hintergründe funktioniert "Wizzywig". Dann ist es eine stimmige, dicht gepackte Zeitreise in die Anfangsjahre der Hackerkultur. Wer sich damit auch nur ein bisschen auskennt, wird durch die Fusion der realen Vorbilder angenehm verwirrt.
Das sagen die anderen: "Aufregend und fesselnd" findet die "taz" den Comic, aber grafisch "unspektakulär".
Zur Veröffentlichung in den USA hat der Verlag dem Comic einen YouTube-Trailer spendiert - eigens dafür geschriebene Rap-Musik inklusive.
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Ed Piskor: Wizzywig Das Porträt eines notorischen Hackers. Aus dem Amerikanischen von Jan Dinter. Egmont Graphic Novel; 288 Seiten; 19,99 Euro.