WM-Tickets: Auch "Kaiser" Franz weiß keinen Rat - DER SPIEGEL
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WM-Tickets Auch "Kaiser" Franz weiß keinen Rat

Verbraucherschützer erregen sich über die Ticketvergabe für die WM 2006, warnen aber zugleich vor eBay-Auktionen. Selbst "Kaiser" Franz Beckenbauer, Großmeister des Fußball-Establishments, weiß auch nicht so recht, was tun. Vielleicht hätte er mal beim HSV anfragen sollen.
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Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich das 12.500-Euro-Gebot für zwei WM-Tickets, dass Ende letzter Woche bei eBay den Zuschlag erhielt, im Nachhinein als nicht ernst gemeint entpuppt. Noch hat der Wahnsinn Grenzen, und die liegen schon hoch genug: Zwei- bis dreitausend Euro sind drin für ein paar mediokre Tickets, rund ein Jahr vor dem Beginn der WM 2006.

Im Sinne des Erfinders war und ist das nicht. "Wir setzen uns dafür ein, dass es billige Karten gibt", wetterte am Donnerstag Wolfgang Niersbach, Vizepräsident des WM-OK, "Und jetzt sollen wir zugucken, wie diese Karten nun für 700 Euro im Internet versteigert werden. Darum sollte sich der Verbraucherschutz einmal kümmern!"

Womit der OK-Mächtige Bezug nahm auf eine neue Stimme im Chor der WM-Ticket-Kritiker: Am Donnerstag hatte sich die Bundeszentrale für Verbraucherschutz mächtig zu Wort gemeldet. "Die Veranstalter sind doch die Letzten, die sich aufzuregen haben", erklärte deren Sprecher Carel Mohn. "Zumal ja ein Großteil der Karten an Sponsoren oder an die Landesverbände des DFB geht. Wie sicher ist denn, dass diese personell gebunden sein werden? Ich möchte nicht wissen, was an Schiebereien mit den Sponsorenkarten passiert."


Heiße Worte, die Mohn auf eine generelle Kritik am Vergabeverfahren und den DFB-Klagen über den sich nun entwickelnden Handel mit WM-Tickets folgen ließ. Rechtlich sei die Sache doch klar: "Es steht jedem frei, der eine Karte bekommt, diese zu übertragen. Das Motiv ist zweitrangig. Da wird eine Drohkulisse aufgebaut." So Mohn gegenüber der "Mitteldeutschen Zeitung".

"eBay-Ticketauktionen sind Optionsgeschäfte"

Die Verbraucherschützer bezweifeln, dass es eine Rechtsgrundlage gibt, dem neuen Neubesitzer einer ersteigerten Karte den Weg ins Stadium zu verwehren, wie dies vom WM-OK behauptet wird. Mohn könne nur raten, auf die Namensumschreibung Wert zu legen. Er verstehe ohnehin nicht das "krampfhafte Bemühen" des DFB, den Handel mit "kleinen Kontingenten" zu unterbinden.

Doch auch zur Ticket-Auktion bei eBay könne er nicht raten: "Da muss man jetzt bezahlen, bekommt aber als Leistung nur eine Bestätigungs-E-Mail, dass man in einem Jahr Karten erhält. Es ist ein Optionsgeschäft - und das ist immer gefährlich."

Schuld daran, dass es überhaupt so weit gekommen ist, trage das WM-OK. Es sei die Behauptung des DFB, per Allgemeiner Geschäftsbedingung die Weitergabe von Tickets verbieten zu können, die die derzeitige Lage der "Verunsicherung" geschaffen hätte.

Der Kaiser spricht, sagt aber wenig

Unter Verunsicherung leidet derzeit auch Wolfgang Niersbachs Präsident, Fußball-Ikone "Kaiser" Franz Beckenbauer. "Wir können nichts tun", sagte er fatalistisch mit Blick auf die laufenden eBay-Auktionen. Zwar würden derzeit noch rechtliche Schritte dagegen geprüft, die Aussichten auf Erfolg seien aber "negativ".

Beckenbauer wörtlich: "Ich hoffe, dass es kleine Kontingente sind."

Rat in dieser vertrackten Situation weiß Verbraucherschützer Mohn: Längst überfällig sei die Schaffung einer vom DFB kontrollierten Ticket-Tauschbörse. Dann würde sich wieder alles "in transparenten Bahnen" bewegen.

Genau das hatte tags zuvor der Ticket-Vermarkter Eventim vorgeschlagen. Der war gerade im Auftrag der Fifa in den Genuss gekommen, die gesamte technische Abwicklung der ersten Ticketauktion zu organisieren. Verlockend wäre da die Aussicht, noch einmal Provisionen für dieselben Tickets einzustreichen.

Ganz unwahrscheinlich ist das nicht, denn früher oder später wird man auch beim DFB darüber stolpern, dass es durchaus schon Präzedenzfälle dafür gibt, dass ein Ticketanbieter erfolgreich auf Grundlage seiner AGBs den Weiterverkauf seiner Tickets verhinderte.

Beim HSV gelang das kürzlich gar in zweiter Instanz. Die Hamburger gehen regelmäßig gegen gewerbliche Weiterverkäufer vor, die Tickets mit eigener Gewinnmarge überteuert über das Internet verkaufen. "Die Gerichte sind da immer ganz offen", sagt eine HSV-Sprecherin, "und geben uns schnell recht." Im letzten konkreten Fall scheiterte ein Weiterverkäufer mit einer Revision und unterzeichnete am Ende eine strafbewehrte Unterlassungserklärung.

Ob sich schon jemand vom DFB für diese erfolgreich verlaufenden Ticket-Querelen interessiert hat, war der Sprecherin nicht mehr präsent: "Aber andere Bundesligavereine haben hier schon angerufen, und denen haben wir dann genau erklärt, wie das abgelaufen ist."

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