WM-Tickets: Ebay will Urteilsbegründung prüfen - DER SPIEGEL
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WM-Tickets Ebay will Urteilsbegründung prüfen

Wenn es um den Handel mit WM-Karten geht, stellt sich das Auktionshaus Ebay schützend vor die Kartenhändler.  Ob Eintrittskarten weiterhin auf der Plattform gehandelt werden, ist nach dem heutigen Urteil jedoch ungewiss. Bei Ebay will man erst die Urteilsbegründung prüfen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Welche Konsequenzen die Entscheidung des Amtsgerichts Frankfurt/Main für den Tickethandel auf Ebay hat, steht noch nicht endgültig fest. Eigentlich, könnte man meinen, müsste das Auktionshaus den Verkauf sofort stoppen. Denn es gibt ja mittlerweile ein vom DFB betriebenes Ticketportal, über das Karten getauscht und gehandelt werden können.

Das Gericht hatte heute einem Kläger Recht gegeben, der privat erworbene Tickets auf seinen Namen umgeschrieben haben wollte. Allerdings nur, weil zum Zeitpunkt des Erwerbs noch kein vom DFB betriebenes Ticketportal abzusehen war.

Nach den eigenen Grundsätzen hätte Ebay den Handel mit WM-Karten auf seiner Plattform eigentlich gar nicht erlauben dürfen. In den Erläuterungen zu unzulässigen Artikeln  heißt es unmissverständlich, dass "bestimmte personengebundene Tickets" nicht rechtswirksam übertragen werden können. Wenn Ebay von derartigen Angeboten Kenntnis erhalte, würden diese Angebote zum Schutz des Verkäufers und des Käufers beendet - so steht es in den Erläuterungen.

Was eine übertragbare Eintrittskarten ist, erklärt Ebay seinen Nutzern ganz genau: "Tickets, auf denen der Berechtigte namentlich genannt wird und bei denen ihm vertraglich wirksam eine Weitergabe untersagt wurde." Das ähnelt sehr stark der Beschreibung von WM-Karten - und das dürfte auch den Ebay-Managern klar sein. Die Karten für die Fußballspiele sind nämlich namentlich ausgestellt - zumindest jene, die im umstrittenen Losverfahren verteilt wurden. Und übertragen werden dürfen diese Karten nur mit Zustimmung des WM-Organisationskomitees.

Dass der Handel mit den Tickets bei Ebay trotzdem ungehindert floriert - zumindest bis zum heutigen Tag-, liegt an einem Satz, den das Auktionshaus zusätzlich in die Erläuterungen zu verbotenen Ticketverkäufen geschrieben hat: "Die Entscheidung, ob Angebote mit diesem Grundsatz im Einklang stehen, liegt allein bei Ebay."

Wie diese Entscheidung bislang ausgefallen ist, ist bekannt. "Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir uns als Handelsplatz für alle handelbaren Waren verstehen", sagte Ebay-Sprecherin Maike Fuest im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE kurz vor der Verkündung des Urteils am Frankfurter Amtsgericht. "Es gibt in Deutschland kein gesetzliches Verbot für den Weiterverkauf von Eintrittskarten."

Fuest verwies auch darauf, dass Juristen anzweifeln, ob die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Tickets, die einen Weiterverkauf grundsätzlich untersagen, überhaupt gesetzeskonform sind. Genau darum ging es ja auch in dem Prozess vor dem Frankfurter Gericht.

Den Vorwurf des Organisationskomitees, dass Ebay den Schwarzhandel fördert, weist Fuest zurück. "Der Verkauf von Tickets ist nicht grundsätzlich ein Schwarzmarkt." Wer eine Karte zu einer Veranstaltung verkaufen wolle, weil er nicht hingehen könne, solle dies auch tun können.

Tatsache ist, dass Ebay mit dem Tickethandel bislang gute Geschäfte macht. Weil die Karten knapp sind, schießen die Preise in die Höhe - so ist das auf einem freien Markt. Und je höher der Verkaufspreis, umso mehr verdient das Auktionshaus bei den Provisionen.

Zwei Beispiele: Karten für das Spiel Tschechien-Ghana werden zum Startpreis von 299 Euro angeboten. Sollten sie auch zu diesem Preis den Besitzer wechseln, würde Ebay an dem Handel rund 17 Euro verdienen.

Finalkarten, die ein Powerseller für sagenhafte 5399 Euro Startpreis offeriert , brächten dem Auktionshaus Einnahmen von 123 Euro. Angesichts der großen Nachfrage nach Karten könnte Ebay mit dem Tickethandel, wenn er denn weiter betrieben wird, noch viel Geld verdienen - zum Ärger des Organisationskomitees. Bei extrem begehrten Spielen könnten die Ebay-Gebühren sogar die Größenordnung des Kaufpreises der Karten erreichen.

Dass Ebay sich in Sachen WM-Karten so kämpferisch gibt, dürfte zwei Gründe haben: Zum einen geht es natürlich ums Geschäft. Zum anderen macht sich das Auktionshaus viele Fußballfans zum Freund, die sich über verkorksten Ticketverkauf ärgern und leer ausgegangen sind. Da nimmt man den Ärger mit Franz Beckenbauer und dem Organisationskomitee gern in Kauf.

Normalerweise ist Ebay allerdings sehr vorsichtig, wenn große Unternehmen sich über den Handel mit bestimmten Produkten auf der Plattform beschweren. Beim sogenannten Veri-Programm  werden Auktionen sogar augenblicklich gelöscht, wenn die Firmen das wünschen. Zudem bekommen die Unternehmen, die gegen Markenpiraterie auf Ebay vorgehen wollen, umgehend die Adressdaten des Anbieters. Diesem flattert dann in der Regel eine teure Abmahnung ins Haus. Ebay bearbeitet derartige Anzeigen "mit höchster Priorität", wie es auf der Webseite heißt.

"Wir halten uns selbstverständlich an geltende Gesetze", erklärt Unternehmenssprecherin Fuest. Der Handel mit gefälschten Markenprodukten sei schließlich verboten.

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