Workpace Bremse für Workoholics
Schon Ende der siebziger Jahre boomte in Deutschlands Unternehmen eine Lehre namens "Work-Factor". Durch ein konsequentes Controlling sollte ermittelt werden, wer wo wie viel Zeit in welche Arbeit investierte - und wie viel davon für die Katz war. Denn bei Work Factor ging es um Effektivitätssteigerung.
Das war die gute alte Zeit, in der Industriearbeiter sich noch auf Schippen und Besen stützten, Beamte Ordner von rechts nach links umschichteten und der Kaffeeautomat auf dem Flur der beliebteste Treffpunkt aller Büro-Nichtarbeiter war (angeblich trafen sich damals zur Mittagszeit noch die Mammuts zur Tränke an Rhein, Main und Oder). Der gemeine Arbeiter an sich sah im Arbeitgeber noch den Ausbeuter, dem er kostbare Lebenszeit verhökerte - und da wollte man doch nicht übertreiben.
Vorbei. Das alles ist heute anders. In der New Economy, in der ein Arbeitsloser erst dann als Versager gilt, wenn er nach vier Monaten ohne Job noch immer nicht an der Börse notiert ist, sind Angestellte kaum mehr davon abzuhalten, sich bis zum Vollkollaps mürbe zu arbeiten. Das soll nicht gut sein, heißt es seit kurzem immer öfter, weil man die Tastatur beim Aufschlag ja auch beschädigen kann. Ach ja: Und weil ein kranker Workoholic auch nicht mehr viel bewegt.
Das Problem liegt wahrscheinlich darin, dass der durchschnittliche Büromensch im Laufe seiner Evolution vom Homo Sapiens zum Homo Workoholicus seine natürliche Hemmschwelle verloren hat. Er wirft den Hammer selbst dann nicht hin, wenn der Meister wegschaut.
Doch zum Glück gibt es Workpace. Das Programm aus dem Hause rsi software dürfte das erste seiner Art sein. Bei Workpace geht es nicht um die Erhöhung der Arbeitseffektivität, sondern um deren Senkung. Das steigere widerum die Arbeitseffektivität, weil zwar weniger langsamer erledigt werde (weil selbst Nichtraucher Pausen einlegen) dafür aber letztlich mehr, weil weniger Arbeiter kollabierten. Logisch.
Dem Vernehmen nach ist Workpace in den Niederlanden bereits zum Kult-Programm avanciert. Die Software beobachtet das Arbeitsverhalten am PC, registriert Arbeitszeiten, Anschläge (hat es Sie nicht schon immer interessiert, wie oft am Tag sie die "hoch"-Taste drücken?) und verordnet dem PC-Arbeiter in gesetzten Abständen so genannte "Micropausen" oder "Macropausen". Die heilsame Wirkung der netten Unterbrechung lässt sich noch steigern, indem man ein paar der Stuhlgymnastik-Vorschläge folgt: Das alles soll "RSI" vorbeugen.
RSI ist, so kann man das auf der Homepage des Unternehmens nachlesen, die "Repetitive Stress Injury", auch bekannt als "Cumulative Trauma Disorder (CTD), Carpal Tunnel Syndrome (CTS), Musculo-skeletal disorder (MSD), Occupational Overuse Syndrome (OOS) or Work Related Upper Limb Disorder (WRULD)". Verletzungen und Verspannungen also, die Nackenschmerzen, Rückenschmerzen, Sehnenscheidenentzündungen und einen erhöhten Stress mit sich bringen.
Das Programm kostet 107,57 Mark, kann aber zum kostenlosen Ausprobieren heruntergeladen und einen Monat lang genutzt werden. Unbestätigten Gerüchten zufolge wirkt Workpace auch gegen Handgelenkverspannungen nach exzessiven Moorhuhn-Jagden.
Frank Patalong