Worldspace "Radio to the people"
"Wir wollen Musik, Nachrichten und Bildung in die Regionen der Welt bringen, die an einer Radiounterversorgung leiden", lautet das Ziel der New Yorker Worldspace-Corporation. Das Ergebnis sind der Afristar- und der Asiastar-Satellit, die schon bald durch den Ameristar ergänzt werden sollen. Der Afristar getaufte erste Satellit strahlt sogar deutlich über seinen "Footprint", das anvisierte Zielgebiet, hinaus. Sogar in Deutschland ist der Satellitenempfang digitaler Radioprogramme problemlos möglich.
Ob die Rechnung, Radio in die schlecht entwickelten Regionen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas zu bringen, aufgehen kann, ist noch ungewiss. Andererseits stiehlt Worldspace anderen Systemen die Show: Das neue Angebot funktioniert, die Endgeräte sind bezahlbar, und die Radiostationen buchen Kapazität.
Die Radiosender mieten Datenbandbreite auf dem Satelliten. Manch kleine Station begnügt sich mit 16- oder 32-KBit-Bandbreite. Das reicht für schon für eine im Vergleich zur Mittelwelle bessere Tonqualität. Ab etwa 96 KBit kommt man in CD-Reichweite. 128 KBit sind maximal möglich.
Das Empfangssignal kommt über eine Satelliten-Flachantenne von der Größe einer halben Tafel Schokolade in das Radio. Dabei hat das digitale Sendesignal erhebliche Ähnlichkeit zum MP3-Format, schließlich wurde das Verfahren von der Fraunhofer-Gesellschaft in Erlangen entwickelt und auf die speziellen Anforderungen des Worldspace-Systems angepasst.
Das Ergebnis kann sich hören lassen: Auf dem in Deutschland empfangbaren Westbeam sind fast 40 Programme geschaltet. Dabei wird ein schöner musikalischer Querschnitt Afrikas geliefert. Die frankofonen Westafrikaner, die englischsprachigen Ostafrikaner, der arabischsprachige Raum im Nordosten Afrikas, alles in Stereo auf Knopfdruck.
Hinzu kommt ein Programmpaket von Worldspace selbst: Spartenkanäle mit Musikangeboten im Bereich Afropop, Pop (International), Jazz und Dancefloor sind zu empfangen. Natürlich befinden sich auch Auslandsdienste im Angebot, allen voran die World-Radio-Network-Programme in Englisch und Deutsch, mit Übernahmen diverser Auslandsdienste. Ferner findet man Radio France Internationale mit dem General Service und dem Afrika-Service, die BBC, CNN-International, Radio Espana Exterior sowie Bloomberg-Programme in Spanisch, Englisch, Französisch und Italienisch. Es gibt viel zu hören.
Graumarkt für Afrika-Empfänger
Vier japanische Hersteller, Hitachi, JVC, Panasonic und Sanyo, bieten Worldspace-Radios an. Die Hitachi- und Panasonic-Geräte haben sogar, in weiser Voraussicht, eine CE-Zertifizierung für den EU-Markt durchlaufen. Obwohl die Geräte hier zu Lande nicht offiziell angeboten wurden, entwickelte sich eine kleine deutsche Fangemeinde des Satelliten-Radioempfangs aus Afrika. Der Weltempfänger-Spezialist Charly Hardt aus Remscheid importiert seit Januar 2000 Worldspace-Radios und kann sich über die Resonanz seiner eigentlich kurzwellenhörenden Kundschaft nicht beklagen.
"In den vergangenen vier Monaten hat sich die Zahl der Teilnehmer verdoppelt.", freut sich auch Markus Weidner aus Biebergemünd, der eine Mailingliste im Netz zum Thema Worldspace betreibt.
Bei Hitachi, dem deutschen Marktführer in Sachen Worldspace-Radios, beobachtet man den europäischen Markt genau: "Wir haben unseren Empfänger in Europa getestet. Ein Empfang war mit der serienmäßigen Antenne bis an die nördlichen Grenzen von Schottland möglich", sagt Roland Fritsch, Marketingleiter bei Hitachi Europe in Düsseldorf. " In Frankreich und Großbritannien bieten wir unser Gerät offiziell an, in Deutschland noch nicht", so Fritsch. Das Angebot an deutschsprachigen Programmen ist noch zu gering.
Bei aller Begeisterung sollte nicht übersehen werden, dass Worldspace sich anschickt, aus dem Orbit 80 Prozent der Weltbevölkerung mit Radiodiensten zu versorgen. Die Corporation könnte durch einen weltweiten Siegeszug des Systems schnell in eine unheilvolle Monopolstellung rutschen. Eine Art Welttorwächter für Orbitalrundfunk sozusagen.
Es fällt schwer, dem Worldspace-Chef Noah Samara solche Ambitionen zu unterstellen: Anlässlich des erfolgreichen Starts des zweiten Worldspace-Satelliten für den asiatischen Raum trat ein sichtlich bewegter Mann vor die Kamera. Wie ein strahlender kleiner Junge unterm Christbaum wiederholte er seine missionarisch wirkende Botschaft: "Radio to the people".
Neun Jahre kämpfte Samara für seine Idee, bis der Afristar-Satellit auf seiner geostationären Umlaufbahn kreiste. Doch waren Bill Gates oder Steve Jobs nicht auch Lausbuben mit großen Träumen in Papas kleiner Garage?