Woz: Rückkehr der Apple-Legende - DER SPIEGEL
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Woz Rückkehr der Apple-Legende

Apple-Mitgründer Steve Wozniak meldet sich mit einer neuen Firma aus dem Tech-"Vorruhestand" zurück +++ Mit Beyond.com stirbt der wohl letzte echte Dot.com-Dino - und hinterlässt stilgerecht einen Schuldenberg von 300 Millionen Dollar
Von Jochen A. Siegle
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Hightech-Zirkus hat einen alten Bekannten wieder: Steve Wozniak.

Wozniak? Dieser Name ist eigentlich nur noch Computerhistorikern oder eingefleischten Apple-Maniacs ein Begriff. Schließlich ist der Mitgründer der Computerfirma mit dem Apfellogo seit mehr als einem Jahrzehnt vom Tech-Parkett verschwunden. Seit Ende der achtziger Jahre betätigt sich "Woz" nur noch als Lehrer und Philanthrop.

Doch nun ist Wozniak zurück. Am Donnerstag kündigte der 51-Jährige via Pressemitteilung den Start einer neuen Firma an. Deren Name: "Wheels of Zeus", abgekürzt wie sein Spitzname "Woz".

Gemeinsam mit dem ehemaligen Softwareentwickler und Venture-Kapitalisten Greg Galanos hat sich Wozniak dem Ziel verschrieben, preisgünstige GPS-Produkte (Global-Positioning-System) für den Alltagsgebrauch zu entwickeln. Bislang werden die recht kostspieligen satellitengestützten Navigationssysteme vor allen Dingen von Militärs, in Automobilen oder von Sportlern - beispielsweise Seglern und Bergsteigern - eingesetzt.

Wie diese GPS-Geräte für Otto-Normalbürger allerdings aussehen sollen, bleibt von offizieller Seite bislang ein Geheimnis - Woz hält es da ähnlich wie sein High-School-Kumpel und Apple-Gründerpartner Steve Jobs: Details will das Unternehmen aus Los Gatos frühestens in sechs Monaten präsentieren. Die ersten Produkte sollen im kommenden Jahr auf den Markt kommen.

Dass es sich dabei um "handfeste" Tech-Gadgets - man denke etwa an Mobiltelefone oder Handheld-Computer, die Navigationsdaten verarbeiten können - und keine Digi-Tagträumereien handelt, dürfte sich beim kalifornischen Tüftlergenie eigentlich von selbst verstehen. Außerdem finanzieren zwei der größten Risikokapital-Firmen im Silicon Valley das neue Unternehmen.

Steve Wozniak arbeitete bis 1976 bei Hewlett-Packard und verließ den Multi, um sich mit seinem Buddy Steve Jobs den Traum vom eigenen Computer samt Unternehmen zu verwirklichen. Der Rest ist Geschichte.

1985 stieg Wozniak bei Apple aus. Kurz danach gründete der Rechnerpionier die Firma CL-9, die Universalfernbedienungen für Unterhaltungselektronik-Artikel entwickelte. Kurz nach der Präsentation des ersten Gerätes löste Woz diese Company jedoch wieder auf. Die Zeit war wohl noch nicht reif für derartige Gadgets - die heutzutage in jedem Elektro-Supermarkt zu kaufen sind. +++

Wer zu früh kommt, den bestraft das Leben

Mit genau demselben Argument vertröstete vergangene Woche Mark Breier enttäuschte Mitarbeiter und Aktionäre seiner ehemaligen Firma Beyond.com. "Das Unternehmen war eine großartige Idee - nur leider zu früh für seine Zeit."

Von was Breier da spricht, ist die wohl letzte Pleite eines echten Dot.com-Dinos. Die Webfirma der ersten Stunde zählte zu den ersten "High-Flyern" der New Economy: 1994 eigentlich als Online-Shop gestartet, mutierte Beyond.com binnen kürzester Zeit zum E-Business-Spezialisten und managte Webshops anderer Unternehmen. 1998 folgte der Gang an die Börse. Immer wieder wurde das Unternehmen in einem Atemzug mit Amazon.com genannt. Und stets war die Beyond.com-Entwicklung mit dem einst so beliebten Online-Leitprinzip "Wachstum vor Profit" zu umschreiben.

Zu ihren Hochtagen sorgte die Firma aus Santa Clara auch für ordentlich mediales Aufsehen. Unvergessen bleibt der Auftritt des damaligen Beyond.com-CEOs Breier im Business-Kabelkanal CNBC im Juni 1999: Nur in Boxershorts bekleidet, demonstrierte der Web-Entrepreneur, wie Internetnutzer künftig von zu Hause aus arbeiten können - natürlich mit von Beyond.com offerierten Applikationen.

Mit der ursprünglich als Software.net firmierten Company stirbt nun eines der ältesten Internet-Start-ups überhaupt. Mit ins Grab nimmt das Unternehmen fast stilgerecht einen Schuldenberg von 300 Millionen US-Dollar. Der einstige Erzrivale Digital River aus Minneapolis übernimmt für elf Millionen US-Dollar die verwertbaren Überbleibsel, sprich Software und Kundenstamm des noch vor eineinhalb Jahren so heiß gehandelten Online-Unternehmens.