Entdecker der WLAN-Sicherheitslücke "Versucht, Druck auf die Firmen aufzubauen"
Frau mit Laptop
Foto: imagoDer belgische Sicherheitsforscher Mathy Vanhoef, der die Sicherheitslücke im WLAN-Verschlüsselungsprotokoll WPA2 entdeckt hat, geht davon aus, dass etliche betroffene Geräte niemals ein Update bekommen. "Da bin ich mir ziemlich sicher. Und das ist in der Tat ein Problem", sagte der Informatiker im Podcast "Tech News Weekly ".
Er legte den Besitzern gefährdeter Geräte nahe, sich bei den Herstellern zu melden und Sicherheitsupdates einzufordern. "Versucht, Druck auf die Firmen aufzubauen", rät Vanhoef. Für gefährdet hält der Forscher besonders Smartphones mit älteren Android-Versionen, die von etlichen Herstellern schon nach wenigen Jahren nicht mehr mit Updates versorgt werden. Hier könnte ein Angriff mit dem Ausnutzen weiterer Sicherheitslücken kombiniert werden.
Mit der KRACK getauften Attacke, die Vanhoef entdeckt hat, können Angreifer die WLAN-Verschlüsselung WPA2 aufbrechen und damit den Datenverkehr in einem WLAN belauschen und manipulieren (siehe Infokasten).
Die wichtigsten Fragen zur WLAN-Sicherheitslücke
Mathy Vanhoef kündigte nun ein Tool an, mit dem man demnächst überprüfen können soll, ob das eigene Smartphone von der Sicherheitslücke betroffen ist und ob der Fehler bereits durch ein Update der Systemsoftware behoben wurde.
Wenn die Lücke noch existiert, sollten die Anwender beim Surfen im Web darauf achten, dass die Verbindung über HTTPS hergestellt werde. "Dann werden alle Daten ordentlich geschützt", sagt Vanhoef. Er suche mit seinen Kollegen aber auch noch nach Wegen, die möglichen Auswirkungen einer KRACK-Attacke zu vermindern. Dabei gehe es auch um den Schutz von Geräten, die nicht mit einem Update versorgt werden. "Daran arbeiten wir allerdings noch."
Vanhoef sagte, ihm sei nicht bekannt, dass Hacker bereits über Werkzeuge verfügten, um die KRACK-Attacke auszuführen. "Es könnte aber sein, dass jemand schon so ein Programm geschrieben und noch nicht veröffentlicht hat."
Die Programmierung einer Software, mit der man die Attacke ausführen kann, setze einige technische Expertise voraus. "Daher könnte es noch einige Wochen dauern, bis so ein Tool zur Verfügung steht." Käme es in Umlauf , könnten Vanhoef zufolge allerdings viele Angreifer eine KRACK-Attacke ausführen.
AVM veröffentlicht Updates
Einige Unternehmen haben bereits auf Vanhoefs Entdeckung reagiert - oder sie hatten die Lücke durch jüngere Updates ohnehin bereits geschlossen, wie Microsoft im Falle aller noch unterstützten Windows-Versionen.
Am Freitag kündigte nun auch der Berliner Hersteller AVM die Verfügbarkeit von Updates für seine WLAN-Repeater und Powerline-WLAN-Produkte an. Damit würden Schwachstellen des Protokolls in der WPA2-Aushandlung beseitigt und die Sicherheit erhöht, erklärte das Unternehmen.
Die Updates stehen demnach unter https://avm.de/downloads zur Verfügung. Sie können alternativ auch über die jeweilige Benutzeroberfläche des Geräts installiert werden. Der in Deutschland populäre Router von AVM, die Fritzbox, ist dem Hersteller zufolge nicht von der WPA2-Schwäche betroffen.