www.internet-abc.de: Buntes, notwendiges Angebot - DER SPIEGEL
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www.internet-abc.de Buntes, notwendiges Angebot

Eigentlich schwant einem Böses, wenn starke Partner wie die Bertelsmann-Stiftung, die Landesrundfunkanstalt NRW und die Heinz-Nixdorf-Stiftung ihre Köpfe mit pädagogischem Anspruch zusammenstecken. Doch siehe da: Es kann was draus werden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Eine Seite für Kinder muss bunt sein. Punkt.

Das "Internet-ABC ", heute in Köln offiziell der surfenden Welt vorgestellt, hat sich das wohl ins Stammbuch geschrieben. Das ist okay, wenn auch nicht immer unproblematisch: Wie immer, wenn Grafiker und Webdesigner ausreichende Mittel an die Hand bekommen und ihre Phantasie schweifen lassen dürfen, kam auch in diesem Fall eine Seite heraus, die wohl niemals Geschwindigkeitsrekorde brechen wird.

Entscheidet man sich auf der Eingangsseite etwa für den Klick auf die "Kinderseite", beginnt die shockschwere Not: Alles Flash, oder was?

Aber sicher: Die Seiten des Kinderangebotes wirken eher, als kämen sie frisch von der CD-Rom, und nicht aus dem Web. Das ist erstens wunderschön, zweitens bei jedem Seitenaufruf mit dem Download eines Flash-Applets verbunden und drittens insofern widersinnig, da gerade Anfänger vielleicht gar nicht ausgerüstet sind, sich diese anzusehen. Zum Glück gibt es die Downloadseite im Erwachsenenangebot der Website - nur muss man da erst mal hinfinden.

Doch genug gemeckert: Das alles sind Formalia. Entscheidend aber sind die Inhalte.

Und da gibt es recht wenig zu schimpfen. Über das Internet sollen Klein und Groß eine ganze Menge lernen im "Internet-ABC", das eine Kind-, Anfänger- und Pädagogen-gerechte Einführung in die Welt des Internet sein will (wobei die Macher davon ausgehen, dass die drei Begriffe mehr oder minder synonym zu sehen sind).

Da stöhnt der versierte Surfer laut auf: Das kennt man, diese bemühten, oftmals unerträglich platten Einführungen. Zu Recht?

Ja - und nein. Denn zum einen wird hier natürlich vieles stark vereinfacht. "Surfprofis" haben hier nichts zu suchen, für sie ist die Seite auch nicht gedacht.

Es wird aber andererseits auch nichts verfälscht: Die Beiträge (im Kinder- wie im Erwachsenenangebot) sind so flüssig wie einfach zu lesen, die Inhalte sind korrekt und konsistent.

Mit dem Button "Verdächtige Seiten melden" kann der Nachwuchs im Kinderteil vielleicht wenig anfangen, solange er sich da erst durch einen 4000-Zeichen-Text quälen muss, bevor die ersten helfenden Links kommen. Hier und da braucht es auch den einen oder anderen Klick zu viel: Da führt ein Auswahlmenü (Download: Flash) zu einem weiteren Auswahlmenü (Download: Flash), über das man zum Inhalt (Download: Flash) kommt - nur um zwischendurch eine Comicfigur zum Einsatz zu bringen. Das ist, wie gesagt, CD-Rom-haft, aber nicht "webbig".

Trotzdem ist die Seite durchaus durchdacht und informationsreich: Im Infotainment-Ansatz wird da gelernt ("Führerschein") und eingeübt, mal auch einfach gespielt, ins Web geführt oder erzählt. Die Grundstruktur, zugleich deutlich voneinander abgesetzte Anfänger-Portale für Eltern und Nachwuchs unter einem Dach zu schaffen, ist stimmig, gut und überfällig.

Mit dem Internet-ABC ist also ein Angebot entstanden, das erste Schritte im Web erleichtern will. Das dürfte wohl klappen, und das sogar gut: Die Seite darf als empfehlenswertes Kinderangebot gelten - und davon gibt es nicht so viele in Deutschland. Sie mag ihre Leser verlieren, sobald diese genug gelernt haben, aber auch das scheint Konzept zu sein.

Bis dahin gibt es eine Menge stöbernd zu entdecken, und die offensichtlich kompetente Redaktion wird wohl noch einiges in petto haben. Sie muss mit ihrer Seitenpflege und ihren aktuellen Angeboten allerdings auch mit anderen Kinderseiten konkurrieren, die weit "webbiger" den kleinen Surfern einen hemdsärmeligeren, aber letztlich Kinder- und Web-gerechteren und wärmeren Kontakt mit dem Web bieten. Doch die müssen die kleinen und großen Anfänger ja erst einmal finden . Und bis dahin bietet ihnen das "ABC" ein buntes, notwendiges Angebot.

Frank Patalong