Yahoo!: Ärger wegen Hitlers "Mein Kampf" - DER SPIEGEL
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Yahoo! Ärger wegen Hitlers "Mein Kampf"

Nazi-Memorabilien und Kinderpornos - bei Online-Auktionen von Yahoo! wird einiges angeboten, was verboten ist. Jetzt sind die Staatsanwaltschaft in München und die Polizei in Tokio aktiv geworden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bei einer Online-Auktion auf einer deutschen Website des Internet-Anbieters Yahoo! soll das Hitler-Buch "Mein Kampf" verkauft worden sein. Die Staatsanwaltschaft in München hat die Ermittlungen aufgenommen. Ärger hat sich Yahoo! jetzt auch in Japan eingehandelt: Dort sollen bei einer ähnlichen Versteigerung auch Kinderpornos den Besitzer gewechselt haben.

Wegen des Verkaufs von Nazi-Memorabilien auf Online-Versteigerungen war das Unternehmen schon in der vergangenen Woche in die Schlagzeilen geraten. Ein Pariser Gericht hatte Yahoo! daraufhin verurteilt, die US-Websites für französische Internet-Surfer zu sperren. Gut möglich, dass Yahoo! in der vergangenen Woche auch auf Grund dieses Urteils ein Viertel seines Börsenwertes eingebüßt hat.

Nach US-Recht sind die Auktionen von Nazi-Büchern, Dolchen, Abzeichen und Uniformen erlaubt, nach französischem und deutschem allerdings nicht. Michel Friedman, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, hatte schon in der vergangenen Woche angekündigt, deswegen möglicherweise gegen Yahoo! zu klagen. Der Verkauf von "Mein Kampf" wird Friedman in diesem Vorhaben bestärken.

Claudia Strixner, Yahoo!-Pressesprecherin in Deutschland, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass ihr nichts von den Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft bekannt sei. Leider sei in der Diskussion um den Verkauf von Nazi-Memorabilien der Eindruck erweckt worden, dass man von der deutschen Website aus auch auf Nazi-Angebote aus Amerika zugreifen könne.

Wegen der Versteigerung von Kinderpornos bei Online-Auktionen in Japan hat die japanische Polizei das Tokyoter Büro von Yahoo! durchsucht. Nach einem Bericht der japanischen Nachrichtenagentur "Kyodo" soll ein 38-jähriger Tanzlehrer der dortigen Polizei gestanden haben, dass er rund 300 kinderpornografische Videos über Yahoo! verkauft habe. Die Polizisten suchten daraufhin nach Informationen über einen entsprechende Anzeige, die der Mann im Internet aufgegeben haben soll. Eine Sprecherin von Yahoo! erklärte, dass wegen der großen Zahl der Nutzer längst nicht alle Anzeigen überprüft werden könnten: Deswegen gelangten auch immer mal wieder gesetzeswidrige Anzeigen ins Netz.