Yahoo Spielothek im Internet
Einst waren die Kabel "dünn" und das Internet ein textlastiges Medium. Heute werden die Kabel "dicker", und die technischen Möglichkeiten des Mediums steigen. Doch bisher sind die Konsumenten nur selten bereit, für Mehrwerte auch etwas zu bezahlen.
Ein Bereich jedoch stellt hier eine Ausnahme dar: Spiele - und das spricht sich herum. Weit erfolgreicher als entsprechende Versuche mit Video-on-demand-Angeboten verliefen die Experimente zahlreicher Anbieter mit dem virtuellen Verleih von Spielen. T-Online versuchte es im Sommer 2002 für einen Monat über das DSL-Portal des Unternehmens - und wird einen entsprechenden Service wohl bald auch auf Dauer anbieten.
Auch Yahoo hat seine Versuche bereits hinter sich und erklärte sich am Wochenende per Pressemitteilung zur Spielothek im Internet. Das einstmals nur auf das Sammeln von Webseiten-Adressen spezialisierte Unternehmen hat ehrgeizige Pläne: So sollen den Surfern neben verschiedenen Verleih-Angeboten mit zeitlicher Begrenzung und Preisen zwischen 5 und 15 Dollar auch "Schnupperangebote" gemacht werden. Bis zu drei Tage könne der Surfer in Spiele hineinriechen, ohne dafür zahlen zu müssen.
Das setzt drei Grundbedingungen voraus:
- Eine sehr dicke Leitung auf Seiten des Kunden: Auch das Yahoo-Angebot richtet sich dezidiert an DSL-Kunden
- Eine Technik, die den elektronischen Diebstahl weitgehend verhindert: Yahoo "liefert" die Spieledateien nicht, sondern lässt die Nutzer per Stream auf Yahoo-eigenen Servern spielen
- Eine Spieleauswahl, die einerseits attraktiv ist, andererseits aber nicht zu attraktiv - um das aktuelle Geschäft mit neuen Top-Spielen nicht zu gefährden
Tatsächlich zeigt der Blick ins Portfolio der ersten 40 angebotenen Titel viele Perlen, die von den fans schon seit längerem geliebt werden: as bei Yahoo on demand zu finden ist, hat in der Regel deutlich mehr als ein Lebensjahr auf dem Buckel. Für die Spielehersteller - im Boot sitzen Eidos, Infogrames, Activision und Take2 - eröffnet das Yahoo-Angebot also einen alternativen Weg zur Zweitverwertung.
Unattraktiv ist dies augenscheinlich nicht, die Etablierung solcher Game-on-demand-Seiten ein spürbarer Trend im Bezahl-Web. Denn ein Newcomer ist Yahoo mit dem Service nicht gerade: Der Service wird sich in den nächsten Monaten gegen entsprechende Angebote von MSN, Real und AOL durchsetzen müssen - und auch die Spielehersteller selbst werden wohl noch in diesem Jahr flächendeckend eigene Services anbieten. Wegbereiter in dieser Hinsicht ist derzeit der Spieleriese Electronic Arts.