Felix von der Laden im Interview: "Immer krassere Sachen" - DER SPIEGEL
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YouTube-Star Felix von der Laden »Nee, auf keinen Fall wählst du die«

Felix von der Laden hat auf YouTube drei Millionen Abonnenten, bekannt wurde er mit Videos, die ihn beim Computerspielen zeigen. Doch er hat auch eine politische Seite - die ihm einst viel Ärger einbrachte.
YouTuber von der Laden: Mehr als drei Millionen Abonnenten
YouTuber von der Laden: Mehr als drei Millionen Abonnenten

YouTuber von der Laden: Mehr als drei Millionen Abonnenten

Foto: Sallyhateswing / Felix von der Laden / 25MATE
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Gamingvideos, Beautytipps und Reise-Vlogs: Die Welt von YouTube ist bunt, oft laut und begeistert vor allem junge Menschen. Aus diesem Grund wollen auch die deutschen Parteien dort gern öfter auftauchen. Angela Merkel und Martin Schulz ließen sich erst kürzlich von jeweils vier YouTubern interviewen. Einer, der das Angebot ausschlug, die Kanzlerin zu interviewen, ist Felix von der Laden, seinen Zuschauern besser bekannt als Dner .

Von der Laden, 23, gehört mit mehr als drei Millionen Abonnenten zu den erfolgreichsten deutschen YouTube-Stars. Populär gemacht haben ihn Vlogs und Let's Plays, also tagebuchartige Clips über seinen Alltag und Videos, die ihn beim Computerspielen zeigen.

Für Politik interessiert sich von der Laden jedoch mehr, als es die meisten seiner Videos vermuten lassen. Seit dem Herbst 2016 soll er im Auftrag des ZDF junge Menschen an politische Themen heranführen. Dafür reiste er vor der US-Präsidentschaftswahl durch die USA, in diesem Sommer erkundete er Deutschland, in der ZDF-Mediathek ist derzeit sein Film "Leben in Deutschland: Ist das fair?" zu sehen .

Wir haben von der Laden in Köln getroffen und mit ihm über seinen Blick auf YouTube und die deutsche Politik gesprochen.


SPIEGEL ONLINE: Herr von der Laden, sind Sie ein Vorbild?

Von der Laden: Für manche meiner Zuschauer bestimmt. Ich kann nicht nur von YouTube leben, sondern mache auch viele tolle Reisen, fahre Autorennen und filme das alles. Das ist für viele eine Traumvorstellung.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt ein neumodisches Wort für Vorbild: Influencer.

Laden: Um Influencer zu sein, musst du eigentlich nur eine große Reichweite haben. Viele erlangen diese Reichweite, indem sie gerade kein gutes Vorbild sind, weil sie Sachen machen, die verboten sind oder nicht cool.

SPIEGEL ONLINE: Sie sehen sich nicht als Influencer?

Laden: Doch, schon. Ich habe eine große Reichweite und deshalb logischerweise Einfluss auf Leute. Ich finde nur das Wort nicht schön. Hört sich nach Grippe an.

SPIEGEL ONLINE: Wie macht sich Ihr Einfluss bemerkbar?

Laden: Für manche Zuschauer bin ich wie ein enger Freund, den sie jeden Tag sehen. Die vertrauen mir schon enorm, manche schreiben, wenn sie Probleme im Leben haben.

SPIEGEL ONLINE: Wie alt sind Ihre Zuschauer?

Laden: Die meisten sind zwischen 16 und 25. Gerade im Gamingbereich sind viele noch mal deutlich jünger, das sind Kinder, nicht nur bei mir. Doch darüber denken viele YouTuber nicht nach.

SPIEGEL ONLINE: Wen meinen Sie?

Laden: YouTuber, die sich dabei filmen, wie sie in 20 Kilo Nutella baden. Das geht gar nicht.

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Laden: Weil es suggeriert, dass es lustig sei, Lebensmittel zu verschwenden.

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Foto: Simon Desue / YouTube

SPIEGEL ONLINE: Nie daran gedacht, so etwas zu machen, weil es geklickt wird?

Laden: Der Reiz ist auf jeden Fall da. Um relevant zu bleiben, musst du eigentlich immer krassere Sachen machen oder auf den neuesten Trend aus den USA aufspringen. Ich glaube, ich bin der einzige deutsche YouTuber, der noch kein Video über den Fidget Spinner gemacht hat.

SPIEGEL ONLINE: Die Komikerin Carolin Kebekus beklagt, dass erfolgreiche YouTuberinnen wie Bianca "Bibi" Heinicke die Welt da draußen ausblendeten und nichts im Kopf hätten außer Frisuren.

Laden: Ich weiß nicht, ob sie nur Frisuren im Kopf haben. Bibi und anderen YouTubern geht es darum, Aufmerksamkeit zu bekommen, die Erfolgsspirale am Laufen zu halten. Die Leute schauen Bibis Videos nicht, weil sie herausragenden Content macht, sondern weil sie Bibi gerne mögen und sehen möchten, was Bibi so alles macht.

SPIEGEL ONLINE: Würden Sie sich wünschen, dass sich YouTuber mehr in politische und gesellschaftliche Fragen einmischen?

Laden: Aus Sicht der Zuschauer wäre es wünschenswert, aber ich glaube, dass da nichts Gutes bei rumkommen würde. Viele trauen sich auch nicht, weil sie wissen, dass sie dabei extrem wenig gewinnen und extrem viel verlieren können.

SPIEGEL ONLINE: Gilt das auch für Sie persönlich?

Laden: Ich bin mit politischen Äußerungen sehr vorsichtig geworden, weil ich weiß, wozu das führen kann.

SPIEGEL ONLINE: Sie meinen Ihre Aussagen über die AfD. 2013 zitierte die "Bild"-Zeitung Sie kurz vor der Bundestagswahl mit den Sätzen: "Ich wähle die Alternative für Deutschland. Die etablierten Parteien haben sich von den Bürgern entfernt."

Laden: Ich bekam von meinem damaligen Netzwerk Mediakraft die Ansage: Die "Bild" fragt Erstwähler nach ihrer Meinung, mach da mal mit. Auch damals fand ich schon einige Positionen der AfD nicht gut. Dass sie gegen die gleichgeschlechtliche Ehe war, zum Beispiel. Aber für mich war entscheidend, dass die AfD als einzige Partei dafür war, dass Griechenland in den Staatsbankrott geht und aus dem Euro austritt. Ein Großteil des Gelds aus den Rettungspaketen ging ja nicht an Griechenland, sondern an internationale Banken und Gläubiger. Damals war noch nicht klar, dass die AfD immer weiter nach rechts rutschen würde.

SPIEGEL ONLINE: Wirklich nicht?

Laden: Es gab auch liberale Strömungen innerhalb der AfD. Für mich war es damals nicht vorhersehbar, in welche Richtung sich die Partei entwickeln würde.

SPIEGEL ONLINE: Jan Böhmermann warf Ihnen Ihre Aussage später auf Twitter vor.

Laden: Der hat das über ein Jahr später noch mal ausgegraben. Und boom, haben sich alle draufgestürzt. Seitdem bin ich der Typ, der die AfD gut findet, obwohl ich mich sofort nach Böhmermanns Tweet von meinen Äußerungen distanziert habe. Das verfolgt mich ein bisschen. Aber damit muss ich leben.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie die AfD tatsächlich gewählt?

Laden: Nein. Es waren damals noch ein paar Wochen bis zur Wahl, und die AfD hat noch ein paar Sachen gemacht, mit denen ich nicht einverstanden war. Irgendwann dachte ich: Nee, auf keinen Fall wählst du die.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie in den letzten Monaten Anfragen von Parteien bekommen, die mit Ihnen werben wollten?

Laden: Die AfD hat sich nie gemeldet. Aber es kam eine Anfrage von der FDP.

SPIEGEL ONLINE: Was haben Sie geantwortet?

Laden: Ich habe abgelehnt. So etwas kann ich mir absolut nicht vorstellen.

SPIEGEL ONLINE: Warum nicht?

Laden: Weil ich aus meinem Fehler gelernt habe. Ich möchte meine Zuschauer außerdem nicht in eine bestimmte Richtung drängen.

SPIEGEL ONLINE: Wie sehen Sie Ihre Rolle dann?

Laden: Ich bin Videoblogger und daneben fürs ZDF als Reporter unterwegs . Ich möchte den Zuschauern helfen, sich ihre eigene Meinung zu bilden, indem ich ihnen Einblicke ermögliche, die sie normalerweise nicht bekommen hätten. Wenn ich zum Beispiel eine Flüchtlingsunterkunft besuche, ist das etwas, was meine Zuschauer wahrscheinlich selbst nie getan hätten.

SPIEGEL ONLINE: Angela Merkel und Martin Schulz haben sich im Wahlkampf von YouTubern interviewen lassen. Warum waren Sie nicht dabei?

Laden: Weil ich das Angebot ausgeschlagen habe. Es war ja zunächst nicht klar, dass es nach dem Interview mit Merkel noch ein Schulz-Gespräch geben würde. So habe ich befürchtet, von der CDU instrumentalisiert zu werden.

SPIEGEL ONLINE: Wie fanden Sie die Fragerunden?

Laden: Okay, auch wenn sich der Erkenntnisgewinn in Grenzen hielt. Aber es ist auch extrem schwierig, da als nicht absoluter Profi etwas herauszuholen. Selbst beim ARD-Sommerinterview mit Merkel kommt nicht viel rum.

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Foto: YouTube

SPIEGEL ONLINE: Wie können Politiker Ihre Generation erreichen?

Laden: Ich glaube, dass es da gar keinen Zaubertrick gibt. Als ich meine Zuschauer gefragt habe, welche Themen sie vor der Wahl bewegen, kam ganz oft: die Rente. Es ist nicht so, dass sich junge Leute nur fürs Internet interessieren und alles andere ihnen egal wäre.

SPIEGEL ONLINE: Die CDU schreibt in ihrem Wahlprogramm, sie wolle künftig E-Sports fördern, also professionelles Computerspielen.

Laden: Ich weiß nicht. Das hört sich für mich an, als würde sich eine Partei einfach irgendein Thema suchen, von dem sie denkt: Das interessiert junge Leute.

SPIEGEL ONLINE: So funktioniert es nicht?

Laden: Nein. Das Problem ist aber auch, dass sich CDU und SPD kaum voneinander abheben, weil sie seit Jahren gemeinsam regieren. Wenn ich mich heute vor den Kölner Dom stellen und junge Leute fragen würde: Was ist der Unterschied zwischen CDU und SPD? Ich wette, die meisten hätten keine Ahnung. Und das nicht nur, weil sie sich nicht informieren.

SPIEGEL ONLINE: Fühlen Sie sich als junger Mensch von den Politikern repräsentiert?

Laden: Es gibt jedenfalls keinen Politiker, mit dem ich mich identifizieren kann. Die allermeisten haben eine ganz andere Lebensrealität als junge Leute, die vielleicht gerade ein schlecht bezahltes Praktikum machen oder auch sonst weniger haben als ihre Eltern in ihrem Alter. Wenn man sich dagegen Obama anschaut: Der war auch nicht mehr jung, aber mit ihm als Person konnten sich junge Menschen identifizieren.

SPIEGEL ONLINE: Also das Prinzip YouTube: Persönlichkeit statt Inhalte?

Laden: Martin Schulz hat das ein bisschen versucht. Das war eine Kopie von Obama in schlecht.

SPIEGEL ONLINE: Wie finden Sie es, wenn Politiker soziale Netzwerke nutzen, Snapchat zum Beispiel?

Laden: Nicht jeder Politiker muss überall präsent sein. Entweder es passt oder eben nicht. Aber es kann schon helfen, um für junge Wähler interessant zu sein. Weil die dann sehen: Der Politiker wird nicht nur in Berlin in dicken Autos herumgefahren, sondern ist auch ein Mensch. Dann vertrauen sie ihm vielleicht auch mehr.

SPIEGEL ONLINE: Welcher deutsche Spitzenpolitiker beherrscht das richtig gut?

Laden: Da fällt mir absolut niemand ein.

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