YouTube überträgt Olympische Spiele via Internet - DER SPIEGEL
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Kooperation mit YouTube Olympisches Komitee spielt Fernsehen

Das Olympische Komitee und YouTube übertragen die Olympischen Spiele über das Web in 64 Länder. Auf den ersten Blick ist das ein Publicity-Stunt - man kann es aber auch als Generalprobe verstehen: Web-TV-Angebote werden zur Konkurrenz für TV-Sender.
Live dabei via Web: Die Uhr tickt auch für das klassische Fernsehen
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Foto: Cordula Donhauser/ picture alliance / dpa
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Das Olympische Komitee (IOC) spielt Fernsehsender: Am Donnerstag gaben Google und IOC bekannt, dass über YouTube alle maßgeblichen Wettbewerbe der kommenden Olympischen Spiele direkt übertragen werden sollen - wenn auch nur in 64 ausgewählten Regionen  Asiens und Afrikas südlich der Sahara. Der Vorgang ist trotzdem bemerkenswert, weil er zeigt, wohin die Reise geht: Web-TV-Angebote schicken sich an, für TV-Sender zu einer mächtigen Konkurrenz zu werden.

Es gibt wohl nur wenige Technologieunternehmen, vor denen Medienunternehmen so viel Respekt haben wie vor Google. Mitunter grenzt das an Angst: Google ist schließlich seit langem mehr als nur eine Suchmaschine. Mit YouTube hat der Konzern eine Tochter, die auf ganz eigene Weise so etwas wie der größte Fernsehsender der Welt ist - zumindest aber die größte sichtbare Konkurrenz für das klassische Fernsehen.

Bisher tat sich YouTube allerdings schwer damit, wirklich auch Sender zu spielen. Die YouTube-Kanäle - Angebote, die von etablierten Partnern von BBC bis Vatikan bestückt werden - finden weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Sie sind im Angebot dermaßen gut verborgen, dass man schon ihre Adresse kennen muss, um sie zu finden.

Findungsprobleme wird der "Official Olympic Channel"  wohl eher wenige haben. Zumindest nicht in den Ländern und Regionen, wo sich das Hineinschauen während der Olympischen Spiele in London (27.7. bis 12.8.2012) ganz besonders lohnen wird. Dann nämlich überträgt YouTube über bis zu elf parallele Livekanäle und Highlight-Zusammenfassungen von HD-Bildern der Wettbewerbe. Die Finale aller Medaillenwettbewerbe werden so übertragen, und das alles natürlich kostenlos - Free TV als breit angelegtes Event-Portfolio, dem selbst gut aufgestellte TV-Sender wohl kaum etwas Vergleichbares entgegenzusetzen haben.

Produzent der Bilder ist die TV-Produktionsfirma des Olympischen Komitees selbst - YouTube bekommt also das gleiche Material wie auch die Fernsehsender. Für die wird das Internetangebot so zu einem direkten Konkurrenten.

Direktvermarktung per Web: die Abhängigkeiten werden einseitiger

Schmecken kann ihnen das nicht, sie greifen tief in die Tasche für ihr Recht, Olympia-Bilder zu zeigen. TV-Lizenzgebühren sind die wichtigste direkte Einnahmequelle des IOC. Und weil es eine höchst populäre, zudem äußerst exklusive TV-Ware zu bieten hat, bittet es die Sender entsprechend zur Kasse: Für den Zeitraum von 2010 bis 2012 hat das IOC von den TV-Sendern in aller Welt satte 3,9 Milliarden Dollar eingenommen . Allein aus Asien und Afrika flossen dem IOC rund 600 Millionen Dollar zu.

In Afrika könnten dem IOC zufolge auch noch andere Anbieter Web-Streams der Spiele anbieten, in den asiatischen Staaten auf der Liste soll YouTube die einzige Web-Anlaufstelle für Olympische Videos werden. Der afrikanische Markt dürfte allerdings zu vernachlässigen sein, für HD-Übertragungen via Internet ist die Infrastruktur dort allenfalls in den großen Städten vorhanden.

Anders sieht das in Asien aus. Von der Asia-Pacific Broadcasting Union übertragene TV-Angebote gibt es in allen relevanten asiatischen Märkten. In den hochtechnisierten Regionen und China haben sich verschiedene Sender auch die Internetrechte gesichert. Für das IOC und YouTube bleibt trotzdem noch jede Menge Raum: In Afghanistan, Bangladesch, Brunei, Bhutan, East Timor, Indien, Indonesien, Iran, Kabodscha, Laos, Malaysia, auf den Malediven und Mauritius, in der Mongolei und Burma, in Nepal, Pakistan, Papua-Neuguinea, Singapur, Sri Lanka, Thailand und Vietnam wird das attraktivste, umfassendste Olympia-Portfolio nun via Internet kommen.

Es sind also nicht die finanzstärksten TV-Märkte, auf denen das IOC den Weg der Direktvermarktung an einen Internetanbieter geht - noch ist das eher eine Art Resteverwertung. Aber es ist auch weit mehr als nur ein symbolträchtiger Anfang: Aus Googles Perspektive kann man das alles als Generalprobe für eine Zeit verstehen, in der sich die Märkte von Internet- und Medienfirmen immer stärker überschneiden. Aus Perspektive von TV-Sendern hat die Kooperation, deren finanzielle Eckpunkte nicht bekannt sind, ein erhebliches Drohpotential: Wenn Du nicht kaufst, so kann man das auch verstehen, dann tun wir es eben selbst mit Google. Im direkten Vergleich mit elf Live- und dazu On-Demand-Angeboten muss das Angebot eines klassischen Senders zwangsläufig arm aussehen.

Google hat auf Fragen von SPIEGEL ONLINE zu den vertragsrechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen bis zum Erscheinen dieses Artikels nicht geantwortet.