ZDF: 100 Tage Seifenoper fürs Netz - DER SPIEGEL
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ZDF 100 Tage Seifenoper fürs Netz

Das ZDF ist auf der Suche nach einer jüngeren Zielgruppe und meint, sie im Internet gewinnen zu können. Die Mainzer starten ihre erste Online-Daily-Soap. Kosten: rund eine Million Mark.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Darauf hat die Netzgemeinde sehnsüchtig gewartet - nur wusste es sie bislang noch nicht. Der Sender, der sich bislang mit Serien wie "Schwarzwaldklinik", "Das Traumschiff" oder "Der Landarzt" hervor getan hat, schickt sich an, das World Wide Web mit ähnlich kulturell hochwertigem Stoff zu beglücken. Nachdem erst kürzlich "Hitparade" wegen akuter Zuschauerflucht zu Grabe getragen wurde, schlägt jetzt die "etage zwo" zu.

Ab dem 13. November lässt das ZDF den virtuellen Versuchsballon für 100 Tage fliegen. Der Sender wolle mit dem Projekt verlorenen Boden bei jungen berufstätigen Erwachsenen gut machen, erklärte ZDF-Programmdirektor Markus Schächter das Projekt. "etage zwo" sei die erste deutsche Websoap, die on-air- und online-Erzählweisen verbinde, lobt sich das ZDF auf der serieneigenen Site .

Das Konzept der "etage zwo" ist schnell erzählt: In einer Bürogemeinschaft von fünf Jungunternehmern werden Intrigen gesponnen, Schicksale entschieden und Herzensangelegenheiten offen gelegt. Der User soll sich als Beobachter in das Geschehen einklinken und bekommt stündlich Montags bis Freitags von 8 bis 20 Uhr Einblick in das Leben der fünf "Helden", die von Schauspielern dargestellt werden.

Geleitet wird die "etage zwo" von dem Bösewicht Enno (Frank Jacobsen), der wie die Spinne im Netz vom Geld der anderen leben will. In den Büroräumen arbeiten der Comic-Zeichner Josch (Johnny Challah), Anna (Carolin Gralla), die eine Seitensprung-Agentur mit Alibi-Garantie aufbaut, Headhunterin Kristyn (Petra Gumpold) und Träumer Zander (Rhon Diels), der vom Verkauf seiner Ideen leben möchte. Die Handlungsstränge werden mit E-Mails, Chat-Rooms oder Terminkalendern entwickelt.

Der User kann nicht direkt in die Geschichte der Seifenoper eingreifen, sondern ist - trotz der Möglichkeiten im Netz - zur Rolle des Konsumenten verdammt. Wo bei "etage zwo" dann allerdings der qualitative Unterschied zwischen dem Medium Fernsehen und dem Internet liegen soll, bleibt das Geheimnis der Mainzer.