Zeitschriften-Beipacker Das DVD-Sommerkino
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"K-19: Showdown in der Tiefe"
, USA/GB 2002. Regie: Kathryn Bigelow. Darsteller: Harrison Ford, Liam Neeson. FSK: 12 Jahre. Preis: 3,30 Euro.
Kathryn Bigelow ist unter Hollywoods Regisseurinnen eine Ausnahmeerscheinung - die Frau mag Action. Und sie macht sie richtig gut. Egal, wie beknackt eine Story eigentlich ist ("Gefährliche Brandung"), kitzelt sie doch noch Spannung heraus. Die Geschichte von "K-19" hat historische Vorbilder im Kalten Krieg. Es geht um Männer unter Wasser, und wie im U-Boot-Film üblich geht es klaustrophobisch zu, stets nah an der Katastrophe. Ungewöhnlich ist jedoch, dass hier ein westlicher Film den Wahnsinn des Kalten Krieges erstmals aus russischer Perspektive aufrollt. Spannendes Popcorn-Kino.
"Elefantenherz", Deutschland 2002. Regie: Züli Aladag. Darsteller: Daniel Brühl, Manfred Zapatka, Jochen Nickel, Angelika Bartsch. FSK: 12 Jahre. Preis: Nur im Abo, 97,50 Euro für 26 Ausgaben/Jahr.
Raue Boxer-Milieu-Studie, angesiedelt in einer Finsterecke des Ruhrgebiets. Deutschlands Publikumsliebling Daniel Brühl vor der Frage, wie weit man im halbseidenen Box-Geschäft gehen kann, und wie weit man gehen soll, wenn die Alternative aus einem hoffnungslosen Vegetieren in kaputten Verhältnissen in einer runtergekommenen Trabantenstadt besteht. Anspruchsvolle Charakterstudie.
"Crocodile Dundee in Los Angeles", Australien 2000. Regie: Simon Wincer. Darsteller: Paul Hogan, Linda Kozlowski. FSK: 6 Jahre. Preis: 6,99 Euro.
Vierzehn lange Jahre nach dem ersten Teil landete diese Fortsetzung in den Videotheken. Paul Hogan läuft einmal mehr als cooler, harter, aber herzensguter Urwald-Sproß durch den Dschungel der Großstadt, seine Ehefrau Linda Kozlowski spielt einmal mehr seine Ehefrau, und - das ist neu! - Nachwuchs haben sie jetzt auch. Ansonsten hält der Film, was der Titel verspricht, Dundee in L.A. eben. Ein wenig Action, coole Sprüche, was zu lachen, wenig, über das man sich den Kopf zerbrechen müsste - den Fans gefällt der Streifen bis heute gut genug, um dafür regulär 15 Euro zu bezahlen. Als Beipack geht's billiger, allerdings wie immer ohne originale Tonspur und Extras.
"Knocked Out", USA 1999. Regie: Ron Shelton. Darsteller: Woody Harrelson, Antonio Banderas. FSK: 16 Jahre. Preis: 6,99 Euro.
Eigentlich sind die beiden leicht abgehalfterten Boxer Caesar und Vince beste Kumpel. Da trifft es sich gut, dass sie sich justamente, als sie in einem letzten Profikampf gewinnträchtig aufeinander treffen sollen, in die gleiche Frau verschießen: Testosteron sei Dank sind die beiden bis zum Kampf vor Wut und Eifersucht hinreichend enthirnt, um sich mit Begeisterung auf die Glocke zu hauen.
Wer denkt sich sowas aus? Trotz guter Besetzung allenfalls Mittelmaß.
"The Mighty" USA 1998. Regie: Peter Chelsom. Darsteller: Sharon Stone, Harry Dean Stanton, Gena Rowlands, Gillian Anderson, James Gandolfini, Kieran Culkin, Meat Loaf. FSK: 6 Jahre.
und
"Avenging Angelo",USA 2002. Regie: Martyn Burke. Darsteller: Sylvester Stallone, Madeleine Stowe, Anthony Quinn. FSK: 12 Jahre.
Preis: 2,99 Euro.
"SFT" dreht in diesem Monat so richtig auf und beschert seinen Lesern gleich einen DVD-Doppelpack - und keinen schlechten.
"The Mighty" ist eine so witzige wie rührende Geschichte um die Freundschaft zwischen zwei extrem unterschiedlichen Jungen, die beide auf ihre Weise Außenseiter sind. Natürlich entdecken sie, dass Gemeinsamkeit stark macht und jeder seinen Wert besitzt - aber das ist ja "nur" Handlung. Darüber hinaus ist "The Mighty" ein dicht und intensiv erzählter Film, der neben der "Action" auch den Blick in die Seelen seiner Figuren bietet. Schönes Familienkino.
"Avenging Angelo" wirbt mit dem Klotzgesicht Sylvester Stallones in einer seiner Standard-Posen: Der Gute zielt mit einer dicken, bösen "Wumme", während er die Frau (Madeleine Stowe) beschützt. Vordergründig war es das: Natürlich geht es hier um eine Mafia-Geschichte - auch, wenn die mehr mit den Sopranos gemein hat als mit dem Paten. "Avenging Angelo" ist eine etwas ruppige Komödie, keine bloße Baller-Orgie. Sie kann mit einer guten Besetzung aufwarten, nicht jedoch mit einer Story, die ihnen wirklich etwas abverlangte. Unter dem Strich immerhin ein netter Film, wenn auch nicht mehr.
Der "SFT"-Doppelpack: Viel Entertainment für wenig Geld. Wegen "The Mighty" fraglos das DVD-Highlight des Monats.
"The Rainmaker", USA, 1997. Regie: Francis Ford Coppola. Darsteller: Matt Damon, Danny DeVito, Virginia Madsen, Claire Danes, Dean Stockwell, Jon Voight, Mickey Rourke. FSK: 12 Jahre. Preis: 3,30 Euro.
Auch ein Top-Regisseur und ein pickepacke pralles Aufgebot an Top-Stars machen aus einem mittelmäßigen Grisham-Buch nicht mehr als einen leicht überdurchschnittlichen "Anwalts-Krimi". Die Handlung weiß hier und da zu packen, bleibt aber letztlich vorhersehbar. Entschädigt wird man durch schöne Bilder und das Staraufgebot, das sich kräftig bemüht zu zeigen, was es kann. Matt Damon machte der Film zu einem kleinen Star - zu einem großen wurde er erst im Folgejahr durch die weit überzeugendere Geschichte von "Good Will Hunting". Fazit: Bekömmliche Kost, ganz lecker, aber keine Delikatesse.
Frank Patalong
Im zweiten Teil: Krimis, Komödien, Dramen, Science-Fiction - was der "Beileger-Markt" im Juli noch bietet. Weiter...
"Hard Rain", USA 1998. Regie: Mikael Salomon. Darsteller: Morgan Freeman, Christian Slater, Randy Quaid, Minnie Driver. FSK: 16 Jahre. Preis: 3,30 Euro.
In Mikael Salomons Mixtur aus Thriller und Katastrophenfilm geht es laut genug zur Sache, dass man das Rascheln der Popcorntüre nicht mehr wahrnimmt. Das Ding ist keine hehre Filmkunst, aber ein solider Thriller mit guter Tricktechnik.
Noch im Handel. Nächste Ausgabe: August
"Fargo", USA 1996. Regie: Joel Coen. Darsteller: Frances McDormand, William H. Macy, Steve Buscemi, Harve Presnell. FSK: 16 Jahre. Ton: Deutsch, Dolby Digital 5.1. Preis: 4,90 Euro.
Mit "Fargo" hat die "Digital World" einen Thriller im Gepäck, der Kritiker einst zu Lobeshymnen hinriss - und zu Recht. Klar ist das keine normale Krimi-Ware, wenn Ethan und Joel Coen dahinter stecken: Die krumme Loser-Story rund um grenzdebile Verbrecher, einen hochschwangeren Sheriff und versehentliche Morde ist so spannend wie bizarr-witzig.
Noch im Handel.
"Erleuchtung garantiert", Deutschland 1999. Regie: Doris Dörrie. Darsteller: Uwe Ochsenknecht, Gustav-Peter Wöhler, Petra Zieser, Ulrike Kriener, Anica Dobra, Heiner Lauterbach. Preis: 3,90 Euro.
Die Frauenzeitschrift setzt bei ihren DVD-Beipackern weiter auf Handlung statt auf Krawall, so auch mit "Erleuchtung garantiert". Japan, wir kommen, sagten Dorries Dörrie und die beiden Schauspieler Uwe Ochsenknecht und Gustav-Peter Wöhler. Die beiden spielen zwei in die Jahre gekommene Brüder, deren Leben in der Krise steckt. Zuerst stolpern die beiden hilflos durch Tokio, bis sie schließlich im buddhistischen Kloster landen, um sich voll und ganz dem Meditieren und Putzen zu widmen. Dörries Digitalprojekt hat große Momente und Tiefgang - fiel bei manchem Kritiker jedoch gnadenlos durch.
"The Watcher", USA, 2000. Regie: Joe Charbanic. Darsteller: James Spader, Marisa Tomei, Keanu Reeves, Ernie Hudson, Chris Ellis. FSK: 16 Jahre. Preis: 4,90 Euro.
Simple Story, ein böser Killer, mythisch verbrämte Gewaltdarstellungen - auf die DVDs in "Homevision" ist Verlass. Nein, Charaktere werden in "The Watcher" nicht vertieft. Die Schauspieler konnten ihre Gesichtsmuskeln schonen: Über den Ausdruck bestimmen das Licht und die Bildmontage. Drittklassiges Kino.
"Ein ganz gewöhnlicher Dieb", Irland, Deutschland 2000. Regie: Thaddeus O'Sullivan. Darsteller: Kevin Spacey, Linda Fiorentino, David Hayman. FSK: 16 Jahre. Ton: Deutsch. Preis: 4,99 Euro.
Kevin Spacey ist, ohne Frage, ein Klasse-Schauspieler. Wer den besseren Film über das Leben des Dubliner Schwerkriminellen Martin Cahill, John Boormans "The General", nicht gesehen hat, könnte an dieser Krimi-Komödie seinen Spaß haben. Jedenfalls gelang es der internationalen Koproduktion bei ihrem Erscheinen durchaus, einige gute Kritiken einzuheimsen. Wenn auch nicht all zu viele. "Eigentlich", befand die "FAZ", sei der Film "ein Fall für Europol", weil zusammengeklaut. Nomen ist eben Omen.
Noch im Handel.
"Lost in Space", USA 1998. Regie: Stephen Hopkins. Darsteller: Gary Oldman, William Hurt, Mimi Rogers. FSK: 12 Jahre. Preis: 4,99 Euro.
Modern aufgehübschtes, familienkompatibles Space-Opera-Entertainment im Geiste der Fünfziger. Popcorn auf, Cola auf und hinaus in unendliche Weiten. Das beste sind die Effekte. Bessere Alternative: Die "Coneheads" mit Dan Akroyd. So geht man mit verstaubten Fünfziger-Jahre-SF-Themen um.