Zelda - "The Wind Waker" Kleiner Held ganz groß
Es war einmal ein Knabe, der trug einen seltsamen Namen: Link. Link sieht auch seltsam aus, mit seinen kurzen Armen und dem riesigen Kopf. Gerade feiert er seinen zwölften Geburtstag. Seine Oma lächelt und schenkt ihm ein knappes Hemd von grüner Farbe.
Das Leibchen hat Geschichte: Es ist das Erkennungszeichen aller Helden aus Nintendos "Zelda"-Serie.
Wer immer das grüne Hemd trägt, den erwarten große Herausforderungen. Bald drängt es Link genauso in die Ferne wie seine Vettern aus vorangegangenen "Zelda"-Spielen für ältere Nintendo-Konsolen. Denn kaum streift Link das Geschenk seiner Großmutter über, hebt der bunte Vogel Roch seine kleine Schwester Aril in die Luft und entführt sie ins Ungewisse.
Also setzt Link das Segel und verlässt seine kleine Heimatinsel Präludien. Mit einer Nussschale von einem Boot fährt er hinaus aufs Meer, seiner Schwester hinterher und dem Abenteuer entgegen. Damit beginnt eines der großartigsten Märchen, die je in einem Videospiel erzählt wurden.
Ein Junge im Reisefieber
Links reist von Insel zu Insel, lernt viele Freunde und ebenso viele Feinde kennen. Die Stationen tragen Namen wie "Insel der Monster" oder "Port Monee", und so sind sie auch: Voller Biester, die zum Kampf rufen, und voller Händler, die Karten, Kompasse und anderes Gut gegen Geld tauschen.
Mindestens 80 Stunden Unterhaltung stecken in diesem abwechslungsreichen Märchen zum Mitmachen. Link fechtet gegen die Schergen des bösen Ganondorf, er plaudert mit den Einwohnern mal bunter, mal verbrannter Inseln und zerbricht sich den Kopf an teilweise recht harten Kopfnüssen: Wie versperrte Tore öffnen, wie einen Lavastrom stoppen, wie einem tödlichen Strudel entkommen? Die Herausforderungen nehmen kein Ende.
Gemeinsam mit Link erkundet der Spieler die Welt nach eigenem Ermessen. Zwar sind viele Gebiete anfangs unzugänglich, doch Link lernt dazu. Bald kann er mit seinem Seil Schluchten überwinden oder das Blatt eines Mammutbaums als Fallschirm nutzen. So erschließt sich immer neues Gelände. Wer mag, tastet sich am roten Handlungsfaden entlang und konzentriert sich auf die anstehenden Aufgaben. Genauso gut ist es möglich, jeden Meter der Inseln nach Geheimnissen abzusuchen.
Einmal Entdecker sein!
Wer das tut, belohnt sich selbst mit einem Hochgefühl nach dem anderen. Mal trifft ein ausgeworfener Enterhaken einen versteckten Schatz, mal spricht ein Händler eine Einladung zu einer Partie Schiffeversenken aus. Entdecker zu sein, ist einfach großartig! Nichts reißt den Spieler aus dieser Welt heraus, nicht einmal Ladepausen. So taucht der Spieler ein in ein ununterbrochenes Wechselbad der Gefühle: Auf ein Hurra folgt der Schreck, wenn einer der mächtigen Bossgegner mit viel Getöse in das Bild rumpelt. Stolz keimt auf, wenn dessen Achillesferse gefunden und er nach langem Kampf endlich besiegt ist.
Überraschung, Freude, Hass, Liebe, all diese Empfindungen scheinen auch Link und den anderen Figuren der Inseln eigen zu sein. Man kann ihnen die Emotionen vom Gesicht ablesen. Dem Spiel gelingt, was noch kaum einem Videospiel je gelang: Die Helden wirken lebendig, wenn sie mit Händen und Füßen reden, Augenbrauen heben und Lippen schürzen.
Grafik mit Konfliktpotenzial
Trotzdem ist die ungewöhnliche Zeichentrick-Grafik nicht unstrittig. Schon seit Monaten diskutiert die Fachpresse mit ihren Lesern, ob die simpel gezeichneten Figuren nun Charme hätten oder nicht. Die Frage ist beantwortet: Das Spiel lebt von den bewegten Bildern. Statische, also gedruckte Einmalaufnahmen können die Faszination laufender Szenen nicht vermitteln.
Schwer wiegt dagegen der Verzicht auf jede Sprache. Wann immer Link mit anderen Figuren redet, tut er das per Textblasen auf dem Bildschirm. Niemandem kommt je ein gesprochenes Wort über die Lippen. Das verdirbt Kids ohne solide Lesekenntnisse den Spaß. Obwohl die USK das Spiel ohne Altersbeschränkung empfiehlt, scheint das Spiel bei Daddlern über zehn Jahren besser aufgehoben.
Und die Moral von der Geschichte? Die dichte Mischung aus Action, Geschicklichkeitstests und Denkaufgaben fesselt Kids genauso, wie das Feuerwerk aus überraschenden Ideen erfahrene Daddler begeistert. Es gibt also doch Videospiele, die man ruhigen Gewissens jung und alt ans Herz legen kann. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann daddeln sie noch nach Wochen.
Zelda: The Wind Waker ist als deutschsprachige Version für Gamecube erhältlich. Die Normalversion kostet rund 55 Euro. Die Limited Edition auch, aber die ist selten und hoch begehrt: Hier liegt eine Bonusdisc mit der Gamecube-Umsetzung des Vorgänger-Abenteuer "Zelda Ocarina of Time" bei. Die Limited Edition gibt's auch zusammen mit einer Metallicversion der Gamecube-Konsole für 199,- Euro. Zelda The Wind Waker ist von der USK ohne Altersbeschränkung freigegeben, die Limited Edition (wegen "Ocarina of Time") ab sechs Jahren.