Zensur Teheran sperrt Google-Angebote
Teheran Iranische Web-Nutzer haben ab sofort die Chance zu beweisen, dass man für die Suche im Internet nicht von Google abhängig ist. Sie haben sogar keine andere Wahl: Im Iran ist die Suchmaschine Google und deren E-Mail-Dienst Gmail aus dem Internet verbannt worden. Dies gab der Sprecher des nationalen Informationsrates, Hamid Schahriari, am Montag gegenüber der halbamtlichen Nachrichtenagentur Mehr bekannt. Schahriari erklärte, dass die entsprechenden Websites ausgefiltert würden. Gründe für dieses Vorgehen nannte er nicht.
Für Google ist dies nicht die erste Sperrung dort. Bereits im Dezember 2006 war das weltweit führende Websuch-Portal zeitweilig nicht zu erreichen. Teheran reagiert mit solchen Maßnahmen seit Jahren auf aktuelle Vorkommnisse. Zehntausende politische und pornographische Internet-Angebote sind allerdings auf Dauer gesperrt. Irans Regierung erlegten es den Anbietern auf, für die Angebote im Iran entsprechende Filter einzubauen. Geschieht dies nicht, ist die Sperrung von Dauer.
Es scheint plausibel, dass dies der Grund hinter der Google-Sperrung ist: Was man nicht mehr finden kann, muss man auch nicht zensieren. Im unüberschaubaren World Web Web existiert quasi nur, was über kräftige Crawler-Suchmaschinen auffindbar ist - der Rest bleibt unsichtbar. Ob ähnliche Maßnahmen gegen andere Suchmaschinen wie Altavista, Yahoo oder MSN drohen, ist bisher nicht bekannt.
Die Sperrung der Google-Angebote wurde regelrecht verkündet, nicht erklärt. Teheran verfügt für solche Aktionen über Möglichkeiten, die über die direkte Sperrung eines IP-Adressbereiches hinausgehen. Die Filter erkennen Seiten auch dann, wenn sie in einen anderen IP-Adressbereich verschoben werden. Die im Iran eingesetzte Filtersoftware gilt als kräftig und bewährt und wird seit Jahren erfolgreich zur Zensur des Internet eingesetzt: sie ist angeblich made in China.
pat, AFP