Zoll-Diskussion Digitalkameras bald teurer?
Von Messen erwartet man, dass sie Nachrichten in Serie produzieren - und natürlich gute. Doch nicht alles ist eitel Sonnenschein auf der diesjährigen Photokina: Neben ersten Statistiken, in denen sich eine Abschwächung des fulminanten Foto-Booms der letzten Jahre ankündigt, zeigen sich die Branchenvertreter auch über Überlegungen der EU zur Einführung eines Zolls bei der Einfuhr von Digitalkameras irritiert.
"Das geht wahrscheinlich zu Lasten der Verbraucher", sagte der Geschäftsführer des Photoindustrie-Verbands, Rainer Schmidt, am Dienstag der Nachrichtenagentur AP. Im Klartext: Digitalkameras könnten demnächst teurer werden, wenn die EU ihre Pläne zur Einführung einer neuen Zollabgabe wahr macht.
Bisher ist die Einfuhr von Digitalkameras nach einem Abkommen der Welthandelsorganisation (WTO) zollfrei. Diese Vereinbarung zur Informationstechnologie (ITA) erstreckt sich aber nicht auf Camcorder für die Aufzeichnung von Filmen. Da nun einige Digitalkameras auch eine Funktion für die Aufzeichnung von kurzen Filmen haben, erwägt die EU nach Angaben des Verbands, eine Zollabgabe von 4,9 oder 12,5 Prozent auch auf Digitalkameras zu erheben.
"Es gibt für Europa keinen Grund, den Zollsatz zu erhöhen, weil es in Europa keine nennenswerte Produktion von Digitalkameras gibt", sagte Schmidt am ersten Tag der Fachmesse Photokina in Köln. Der Photoindustrie-Verband führte am Dienstag Gespräche mit seinem japanischen Schwesterverband CIPA, dessen Mitglieder bei der Einführung einer neuen Zollabgabe ihre Exportchancen beeinträchtigt sehen. In einer gemeinsamen Erklärung zusammen mit Fachverbänden aus den USA, Frankreich, Portugal, Ungarn und Tschechien heißt es: "Erheblicher Widerstand regt sich gegen diese Pläne, die eindeutig nicht im Interesse der europäischen Importeure, Händler und Endverbraucher liegen."
pat/AP