20 Monate Geiselhaft: "Im Osterei in die Freiheit" - DER SPIEGEL
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20 Monate Geiselhaft "Im Osterei in die Freiheit"

607 Tage hielten ihn die Kidnapper fest - jetzt ist der Ärzte-ohne-Grenzen-Mitarbeiter Arjan Erkel wieder frei. Die Strapazen der Geiselhaft sind dem 34-jährigen Niederländer zwar ins Gesicht geschrieben, seinen Humor hat er trotzdem nicht verloren.
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Amsterdam - "Es war eine schwere Zeit", sagte Erkel nach Ankunft in Rotterdam. Gestern befand er sich noch in der Hand der Kidnapper in der Kaukasusrepublik Dagestan und war dort im Rahmen einer Polizeiaktion befreit worden. Heute schlossen ihn seine Familienangehörigen in die Arme, die 20 Monate gebangt und gehofft hatten. Er habe zwar 18 Kilogramm abgenommen, sagte Erkel, der vor seiner Entführung im August 2002 die Nordkaukasus-Mission von Ärzte ohne Grenzen geleitet hatte. "Aber ich bin gut behandelt worden". Zwei Mal täglich hätten ihm die Kidnapper Essen gebracht. Er habe auch ausreichend Wasser und Tee erhalten.

Ein Sprecher von Ärzte ohne Grenzen, Ruud Huurman, sagte, Erkel sei extrem müde, dennoch werde er heute an den für ihn geplanten Feiern in seiner Heimatstadt Westdorpe teilnehmen. Bei seinem Zwischenstopp in Moskau hatte Erkel schon mit Journalisten gewitzelt: Die lange Geiselhaft habe ihn zwar "einige Haare gekostet", dafür habe er aber eine ungewöhnliche Rückreise gehabt. "Ich möchte dem Osterhasen danken, der mich in einem großen Schokoladen-Osterei zurück nach Machatschkala gebracht hat." Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: "Das ist ein Scherz." Dann sagte Erkel: "Ich möchte Gott danken, der mich heute wieder ins Leben zurückgebracht hat."

Am Flughafen von Rotterdam wurde Erkel nun von seiner Familie und dem niederländischen Außenminister Ben Bot begrüßt. Erkels Vater sagte dem niederländischen Sender NOS, "es ist ein fantastisches Gefühl". Darauf habe er 607 Tage gewartet.

Wie es zu der Freilassung kam, ist nicht bekannt. Ein Sprecher von Ärzte ohne Grenzen sagte in Moskau, nach seinem Wissen sei kein Lösegeld geflossen. Die Hilfsorganisation hatte die russischen Behörden in den vergangenen Monaten heftig kritisiert und Vorwürfe gemacht. So hätten die Behörden eingeräumt, Agenten des Inlandsgeheimdienstes FSB seien Zeugen von Erkels Entführung gewesen. Im Dezember war der Leiter der Polizeiabteilung in Dagestan, die Entführungen aufklären soll, wegen einer möglichen Verwicklung in Verschleppungen festgenommen worden.

Ein Sprecher von Ärzte ohne Grenzen erklärte, man habe im Dezember Informationen erhalten, wonach Erkel krank sei und die Entführer seine Hinrichtung erwägten. Zwischen Februar und Oktober 2003 hatte es fünf Hinweise gegeben, dass Erkel noch am Leben ist. Darunter war eine Liste mit Fragen, die nur der Entführte beantworten konnte.

Erkel war der zweite Ärzte-ohne-Grenzen-Mitarbeiter, der in Südrussland entführt wurde. Im Januar 2001 war der Amerikaner Kenneth Gluck in Tschetschenien 25 Tage lang von einer bewaffneten Gruppe festgehalten worden. Auch damals waren Vorwürfe laut geworden, der FSB sei in die Verschleppung verwickelt.

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