Abschied von Fritz Walter "Der Friedrich, das war der Feinste"
Kaiserslautern - Die Trauerfeier im "Fritz-Walter-Stadion" wurde bei strahlendem Sonnenschein vom rheinland-pfälzischen Polizeiorchester mit einem Stück von Johann Sebastian Bach eingeleitet. Auch die Ehrengäste um DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, Ehrenspielführer Franz Beckenbauer und Innenminister Otto Schily lauschten dem Stück "Arioso" und gedachten des Lebenswerks des untadeligen Sportmannes, der am vergangenen Montag im Alter von 81 Jahren in seinem Haus in Enkenbach-Alsenborn "friedlich eingeschlafen" war.
Sehr persönliche Worte fand vor allem der Vorstandsvorsitzende des 1. FC Kaiserslautern, Jürgen Friedrich. "Fritz Walter war und ist für die Jugend ein großes Vorbild, weil er sich auch nach Abschluss seiner Karriere immer tadellos verhalten hat. Leider fiel es ihm unheimlich schwer, den Verlust seiner Frau Italia im Dezember 2001 nach über 50 Jahren Ehe zu verarbeiten. Sein großer Traum, gemeinsam mit seinem Bruder Ottmar und Horst Eckel 2006 die WM-Spiele im Fritz-Walter-Stadion zu verfolgen, wird leider nicht mehr in Erfüllung gehen. Sein Engagement im Zuge der Kaiserslauterer WM-Bewerbung war großartig", sagte Friedrich, der als zweiter Redner nach Pfarrer Bernhard Reicher auftrat.
DFB-Boss Gerhard Mayer-Vorfelder, der extra vom WM-Turnier in Südkorea und Japan in die Pfalz gereist war und noch am gleichen Abend wieder zurück zur deutschen Nationalelf flog, würdigte den "Mythos" Fritz Walter. "Wir verabschieden uns heute von einer der größten Persönlichkeiten des deutschen Sports. Fritz Walter wird für immer unvergessen bleiben", sagte Mayer-Vorfelder.
Auch für Schily, der in Vertretung von Bundeskanzler Gerhard Schröder als Repräsentant der Bundesregierung auf den Betzenberg kam, war Walter an der Grundsteinlegung des demokratischen Deutschlands maßgeblich beteiligt. "Deutschland trauert um ein großes Vorbild und einen außergewöhnlichen Sportler. Der WM-Gewinn gegen Ungarn war geprägt von Trainer Sepp Herberger und seinem Lenker Fritz Walter, die die Menschen im Nachkriegsdeutschland in Euphorie und Enthusiasmus versetzt haben. Walter war das Symbol für Aufbruch und Neubeginn. Das ganze Land sammelte neue Kräfte für den Aufbau des demokratischen Deutschlands", würdigte Schily jenen Mann, der als erster zum rheinland-pfälzischen Ehrenbürger ernannt worden war. Zum Abschluss der Trauerfeier sang Judith Christ vom Staatstheater Wiesbaden die deutsche Nationalhymne.
In der "Bild am Sonntag" meldete sich auch Walters WM-Mitspieler von 1954, Helmut Rahn, zu Wort. "Der Friedrich, das war der Feinste", sagte der 72-Jährige, "er war immer mein Stubenkamerad bei den Länderspielen. Das sind schöne Erinnerungen, das tut heute sehr weh."
Die Beerdigung von Fritz Walter wird am Montag im engsten Familienkreis auf dem Kaiserslauterer Hauptfriedhof stattfinden.