Abschied von Johannes Paul II. Trauerfeier für den Papst hat begonnen
Rom - Den Gottesdienst leitet Kardinal Ratzinger. 200 Staatsgäste und Hunderttausende Gläubige aus aller Welt sahen zu, wie der geschlossene Sarg in einer Prozession aus dem Petersdom getragen wurde. Zuvor hatte der päpstliche Privatsekretär Stanislaw Dziwisz das Gesicht des Toten mit einem weißen Seidentuch bedeckt. Auf dem Petersplatz spricht der Kämmerer des Vatikans (Camerlengo), Kardinal Eduardo Martinez Somalo, ein erstes Gebet. Unter den Staatsgästen sind US-Präsident George W. Bush, Uno-Generalsekretär Kofi Annan, Bundespräsident Horst Köhler und Kanzler Gerhard Schröder.
Nach Schätzungen der Polizei sind seit dem Tod des Papstes am vergangenen Samstag etwa vier Millionen Menschen nach Rom gekommen. Auf dem Petersplatz drängen sich 300.000 Menschen. Schon lange vor Beginn der Feierlichkeiten war der Platz überfüllt, manche hatten die Nacht im Freien verbracht. Zuerst ließen die Sicherheitskräfte Kranke und Behinderte auf den Platz. "Es handelt sich um eine schier unfassbare Menschenmasse", sagte ein deutscher Malteser-Helfer am Vatikan. "Es geht aber alles in Ruhe und geordnet zu." Viele Menschen hatten in der Nähe des Vatikans im Freien übernachtet, um sich einen Platz bei der Totenmesse zu sichern. Weit mehr als eine Milliarde Menschen wird die Bestattung des Papstes live im Fernsehen verfolgen.
Rom: Trauerfeier im Vatikan
Die italienischen Sicherheitsbehörden teilten mit, für die Feierlichkeiten gebe es keine erhöhte Terrorgefahr. Es lägen keine "konkreten und unmittelbaren Warnungen" vor. Allein zum Schutz der Staatsgäste sind rund 15.000 Sicherheitskräfte im Einsatz, der Luftraum ist gesperrt, Flugabwehrraketen wurden in Stellung gebracht.
Kurz bevor die Pforten des Petersdoms gestern Abend geschlossen wurden, erwies auch Bundespräsident Horst Köhler dem Pontifex die letzte Ehre. Begleitet wurde Köhler unter anderem von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, dem bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber und der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel. Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer machten sich Abend auf den Weg in die Ewige Stadt.
Die Zeremonie auf dem Petersplatz ist bis ins kleinste Detail geregelt. Vor dem Altar steht der geschlossene Sarg mit dem Verstorbenen. Während der Totenmesse werden Gebete und Fürbitten in sechs Sprachen gesprochen.
Anschließend wird der Sarg, begleitet von wenigen hohen Kurienvertretern, durch den Petersdom in die Krypta gebracht. Das eigentliche Begräbnis in den Grotten, das nicht mehr vom Fernsehen übertragen wird, soll rund eine halbe Stunde dauern. Der Sarg wird unter Gebeten in die Erde gesenkt - unweit der Stelle, an der nach kirchlicher Überlieferung das Grab des Petrus liegt, des ersten Papstes.
Für die Totenmesse, die der deutsche Kardinal Joseph Ratzinger leitet, wurde die gesamte römische Innenstadt für den Verkehr gesperrt. Schulen, Ämter und alle Museen bleiben geschlossen. Da aber höchstens 300.000 Menschen auf den Petersplatz passen, wird die Zeremonie auf riesige Leinwände in der ganzen Stadt übertragen, etwa am Kolosseum, auf der Piazza Navona und im Olympiastadion. Die Wetteraussichten für die Trauerfeier sind gut: Am Vormittag soll es in Rom bei bis zu 19 Grad heiter bis wolkig sein. Erst ab Mittag sind Schauer möglich.
Papst-Trauerfeier: Invasion der Staatsoberhäupter
Der größte christliche Pilgerstrom der Geschichte verlief bis gestern Abend ohne nennenswerte Zwischenfälle. Vor allem aus der polnischen Heimat des Papstes kamen viele Menschen. Der Papst war rund drei Tage und Nächte im Petersdom aufgebahrt. Mindestens zwei Millionen zogen an dem Leichnam vorbei.
Mit einem "Marsch der Dankbarkeit" nahmen rund eine Million Polen in Krakau am Abend Abschied vom Karol Wojtyla. In einem Schweigemarsch zogen sie durch die Krakauer Innenstadt zu den Blonie-Wiesen, wo der Papst im August 2002 eine Messe mit drei Millionen Menschen gefeiert hatte. Um 21.37 Uhr, dem Todeszeitpunkt des Papstes, stellten die Menschen in ganz Polen auf Plätzen und Straßen, die nach Johannes Paul benannt sind, brennende Kerzen auf. Auch in London zogen mehrere tausend Menschen mit Kerzen und polnischen Flaggen vom Trafalgar Square zur katholischen Westminister Cathedral.