Abstieg eines Superstars - DER SPIEGEL
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Finnland Abstieg eines Superstars

02.04.2023
• aus SPIEGEL Chronik 1/2023
Politikerin Marin
Politikerin Marin

Politikerin Marin

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Heikki Saukkomaa / AP

Das Ende kommt überraschend für ihre internationalen Fans. Im April ist die bunte Erfolgsgeschichte von Sanna Marin vorerst vorbei: Nach nur gut drei Jahren haben die Menschen in Finnland genug von ihrer Ministerpräsidentin – bei der Parlamentswahl landet die Partei der Sozialdemokratin nur noch auf Platz drei.

Dabei hat Marin nicht nur ihr eigenes Volk fasziniert. Mit bloß 34 Jahren wurde sie 2019 als jüngste Ministerpräsidentin international berühmt. Ihr Aufstieg war kometenhaft: Den Top-Job bekam sie, obwohl sie zuvor nur für wenige Monate Verkehrsministerin gewesen war – und ihre überschaubare Erfahrung in der Politik vor allem in einem Stadtrat gesammelt hatte.

Marin lieferte ein Gegenbild zum klassischen Politikertypus. Sie stammt aus einer Regenbogenfamilie, erst zwei Jahre vor ihrer Wahl machte sie ihren Uni-Abschluss. Vieles scheint ihr zu gelingen, als sie in Helsinki – als Mutter einer damals einjährigen Tochter – die Macht übernimmt. Sie steuert Finnland besonnen durch die Pandemie, interessiert die junge Generation für Politik, positioniert sich nach dem Ausbruch des Ukrainekriegs klar gegen Russland und führt das neutrale Finnland in die Nato. Medien feiern sie als »coolste Regierungschefin der Welt«.

Auftritte in schwarzer Lederjacke und Partyvideos, auf denen sie ausgelassen tanzt, haben den globalen Hype um Marin noch befeuert. Doch in ihrer Heimat sind offensichtlich die Zweifel gewachsen. Die Angst vor russischen Aggressionen, die Energiekrise, das wachsende Haushaltsdefizit, mit dem Finnland hinter anderen nordischen Staaten zurückfällt: In dieser Lage stimmen die Bürgerinnen und Bürger für einen Wechsel und wählen den im Vergleich ziemlich blassen, konservativen Ex-Finanzminister Petteri Orpo zum Regierungschef. Marin hat die Politik verlassen, um für einen Londoner Thinktank zu arbeiten.

hor
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