Absturz-Spekulationen: Airbus-Chef attackiert "Figaro" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Absturz-Spekulationen Airbus-Chef attackiert "Figaro"

Der Streit über mögliche Absturz-Ursachen des Air-France-Fluges im Atlantik geht weiter. Airbus-Chef Tom Enders verurteilte die Berichterstattung der Zeitung "Figaro" und bezeichnete Spekulationen, sein Unternehmen wolle 1000 Maschinen für Umrüstungen am Boden lassen, als "kompletten Blödsinn".
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Paris - Als "unverantwortlich" hat Airbus-Chef Tom Enders die derzeitigen Spekulationen über die Ursache der Flugzeug-Katastrophe über dem Atlantik bezeichnet. "Es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen falschen Geschwindigkeitsmessungen und dem Unfall", sagte Enders am Donnerstag dem ARD-Studio Paris.

Es sei ganz normal, dass sich der Autopilot bei inkonsistenten Messungen ausschalte. "Wir wollen den Piloten ja nicht rausnehmen aus dem Flugzeug. In dieser Situation ist es wichtig, dass der Pilot selbst das Flugzeug steuert", sagte Enders.

Heftige Kritik übte der Deutsche an der Berichterstattung der französischen Zeitung "Le Figaro", die am Donnerstag geschrieben hatte, Airbus schließe nicht aus, seine Flotte von 1000 A330 und A340 am Boden zu lassen, um die Messgeräte auszutauschen. "Das ist kompletter Blödsinn. Der Bericht hat keinerlei Substanz", sagte Enders. Es gebe in einer solchen Situation immer Medien, die verantwortlich seien und andere, die weit weniger verantwortlich seien und nach Schlagzeilen suchten.

"Dass es Probleme mit Sonden gibt bei der Geschwindigkeitsmessung, ist nicht neu", betonte der Airbus-Chef. Diese würden ständig fortentwickelt und es gebe mehrere Hersteller auf der Welt, die sie produzierten. "Sobald bessere auf dem Markt sind, ist es natürlich unsere Aufgabe, in sogenannten Service-Bulletins den Fluggesellschaften anzuraten, neue Geschwindigkeitsmesser einzurüsten", sagte Enders. Das habe man getan. Die Europäische Flugsicherheitsbehörde EASA habe die Sicherheit der Langstreckenflugzeuge gerade bestätigt.

Der Chef von Air France hält fehlerhafte Geschwindigkeitsmesser nicht für den Grund für den Airbus-Absturz. "Ich bin nicht davon überzeugt, dass die Geschwindigkeitssensoren die Absturzursache waren", sagte Pierre-Henri Gourgeon am Donnerstag. Die seit 2008 bekannten Fälle von Eisbildung in den Messgeräten seien nicht als schwerwiegend eingestuft worden. Die Sensoren würden nun trotzdem ausgetauscht - als Vorsichtsmaßnahme.

Eine französische Anwältin, die einige der Familienangehörigen der Opfer vertrat, erklärte indes, mehrere Hinterbliebene seien der Auffassung, Informationen seien zurückgehalten worden. Sie hätten vor, rechtliche Schritte einzuleiten, um Zugang zu den Untersuchungsakten zu bekommen.

Bei dem Absturz einer A330 waren vor knapp zwei Wochen 228 Menschen ums Leben gekommen, darunter 28 Deutsche. Die Maschine der Air France war an Pfingstmontag auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris, als sie in ein schweres Unwetter geriet und vom Radar verschwand. Als Ursache für den Absturz werden unter anderem Probleme bei den Geschwindigkeitsmessern vermutet.

Die Suche nach den Opfern wurde zuletzt von schlechten Wetterbedingungen erheblich beeinträchtigt. Ein brasilianischer Behördensprecher sagte, die Chancen, alle Toten zu bergen, sei gering.

Suchflugzeuge könnten wegen schlechter Sicht kaum etwas ausrichten, aber "die Flüge werden dort fortgesetzt, wo dies im Niedrigflug möglich ist", sagte Luftwaffengeneral Ramon Cardoso. "Es wird immer schwieriger, jetzt noch Körper zu finden und zu bergen", so Cardoso weiter. Bislang wurden 41 Tote entdeckt.

Das brasilianische Militär hatte zuvor bereits angekündigt, die Suche demnächst einstellen zu wollen. Man habe "vorsichtig" den 19. Juni als Deadline festgesetzt, hieß es.

Protokoll: Die letzten Signale des Unglücks-Airbus

pad/dpa/Reuters

Mehr lesen über

Verwandte Artikel