Ägypten: Lebensgefahr für deutsche Geiseln - DER SPIEGEL
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Ägypten Lebensgefahr für deutsche Geiseln

Die Nerven des Geiselnehmers in Ägypten liegen offenbar blank. Der bewaffnete Mann sagte: "Ich kenne nur eine Lösung: Entweder meine Kinder kommen zu mir, oder ich bringe mich um" - und fügte hinzu: "Ich sterbe aber nicht allein."
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Luxor - Der Entführer der vier deutschen Touristen in Ägypten hat mit der Ermordung seiner Geiseln gedroht, falls seine Forderung nicht erfüllt werde. Der Reiseleiter Ibrahim Ali el Sajed Mussa sagte am Dienstagabend, sollten die bei seiner Frau in Deutschland lebenden Kinder nicht nach Ägypten kommen, werde er sich und die Entführten umbringen. Der 45-Jährige hält die Geiseln südlich von Luxor fest. Die Bundesregierung führte mit ihm nach eigenen Angaben intensive Verhandlungen.

Die vier Deutschen im Alter zwischen 25 und 27 Jahren stammen aus Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt. Sie waren am Montag in der Nähe von Luxor entführt worden. Mit der Geiselnahme will der Ägypter seine Frau zur Rückgabe der nach Deutschland gebrachten Kinder zwingen. Das seit 1991 verheiratete Paar hatte sich vor eineinhalb Jahren nach einem Ehestreit getrennt. Die Frau nahm die beiden jüngsten Kinder, zwei Jungen im Alter von sieben und drei Jahren, mit nach Deutschland. Das älteste Kind, eine Tochter, blieb bei dem Vater in Ägypten. Im Januar erhielt die Mutter für die Jungen das vorläufige Aufenthaltsbestimmungsrecht zuerkannt.

Die Geiseln wurden nach Polizeiangaben in Mussas Haus nahe Esna südlich von Luxor festgehalten. Der Geiselnehmer soll mit einer Handfeuerwaffe und einem Sprengsatz bewaffnet sein und klang am Dienstagabend verzweifelt: "Ich kenne nur eine Lösung: Entweder meine Kinder kommen zu mir, oder ich bringe mich um", sagte er und fügte hinzu: "Ich sterbe aber nicht allein." Auch Deutschland werde dann vier Menschen verlieren.

Geiselnehmer klagt über Übermüdung

Die Verhandlungen mit den deutschen Behörden führte er über ein Mobiltelefon. Er warf der Bundesregierung vor, eine Einigung mit seiner Frau zu blockieren. "Ich versuche seit neun Monaten, mit der deutschen Regierung dieses Problem zu lösen. Sie hat aber Hindernisse aufgebaut." Der Geiselnehmer erwartete am Mittwoch nach eigenen Angaben einen Anruf aus Deutschland. Er klagte über Übermüdung und befürchtete, die Polizei werde sein Haus stürmen.

Ein Polizeisprecher teilte am Mittwoch mit, man hoffe auf ein Ende des Geiseldramas noch am Mittwoch. Die Sicherheit der Geiseln habe oberste Priorität. Das Bundesaußenministerium bat Ägypten um "einsichtige und überlegte" Reaktionen. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes wollte sich nicht über den Stand der Verhandlungen äußern, sprach jedoch von intensiven Bemühungen um die Freilassung der Geiseln.

Der Rechtsstreit des Paares um die Kinder wurde nach Angaben von Peter Linder, dem Leiter des Krisenstabs, durch unterschiedliche Rechtslagen in Deutschland und Ägypten verkompliziert: Nach deutschem Recht haben Kinder deutscher Frauen automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft, nach ägyptischem Recht ist es laut Linder entsprechend umgekehrt.

Außenminister Fischer will GSG 9 nach Ägypten schicken

Außenminister Joschka Fischer (Grüne) hatte nach Rücksprache mit Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) angeboten, die Spezialeinheit des Bundesgrenzschutzes, die GSG 9, nach Ägypten zu entsenden. Auf dieses Angebot seien die Ägypter aber nicht eingegangen.