Afghanistan Schweizer in Kabul gesteinigt
Kabul - Nach dem Bericht eines in die Autopsie eingeschalteten Arztes wiesen die Toten Schädelverletzungen auf, die auf eine Steinigung hindeuten. Bei einem der beiden Toten seien jedoch auch Stichverletzungen am Kopf festgestellt worden. Die Leichen der beiden Männer seien heute in einem historischen Garten nahe der Stadtmitte von Kabul gefunden worden, teilte der Sprecher des Innenministeriums, Lufullah Maschal mit.
Ein Vertreter der Schweizer Botschaft in Kabul sagte, Diplomaten des Landes seien über den Vorfall informiert worden und bemühten sich darum, mehr Einzelheiten von den Behörden zu erfahren. Das Motiv der Tat blieb zunächst völlig im Dunkeln.
"Anwohner haben die Polizei informiert und ihr die Leichen gezeigt. Es sind Ermittlungen im Gang, wer sie gesteinigt hat und warum", sagte Maschal. Der an der Obduktion beteiligte Mediziner, Ihsanullah Alimi, wies auf verschiedene Verletzungen der Opfer hin, die von Steinen oder Ziegelsteinen verursacht worden sein könnten. "Und es gibt da Stichverletzungen am Kopf. Und an einer Leiche ist offenbar ein Strick um den Hals festgezurrt worden", sagte der Arzt.
Die Männer waren nach bisherigem Stand der Ermittlungen vor neun Tagen aus Pakistan nach Kabul gekommen. Sie hätten traditionelle afghanische Kleidung getragen - Pluderhosen, lange Hemden und Kopfbedeckungen aus Wolle, sagte der stellvertretende Chef der Kabuler Polizei, Chalil Aminsada.
Der Islam sieht den Tod durch Steinigung als Strafe für Ehebrecher vor. Die Strafe wurde unter der radikal-islamischen Taliban-Regierung häufig vollzogen, die Ende 2001 mit Hilfe internationaler Truppen gestürzt wurde.
US-Offensive im Süden des Landes
US-Soldaten nahmen unterdessen in der Provinz Sabul im Südosten des Landes 35 mutmaßliche Taliban-Kämpfer fest, wie ein afghanischer Beamter heute mitteilte. Unter den Verdächtigen sei auch ein ranghoher Kommandeur der Rebellen. Bei den am Freitag begonnenen Razzien seien auch zahlreiche Waffen beschlagnahmt worden.
Ein Angriff auf US-Truppen in Südafghanistan kostete einen Soldaten das Leben. Ein weiterer Marineinfanterist sei bei dem Gefecht am Freitagabend bei Tirin Kot, 400 Kilometer südwestlich von Kabul, verletzt worden, teilten die Streitkräfte mit. Kürzlich wurden in der Provinz Urusgan 2000 zusätzliche Marineinfanteristen stationiert, um die Taliban-Milizen zu bekämpfen.
Bei einer Bombenexplosion nahe Grabawa südlich von Kabul wurde gestern der afghanische Fahrer eines Wagens der Vereinten Nationen leicht verletzt. Das Auto ging nach Angaben eines Uno-Sprechers in Flammen auf.