Afrika: Der stille Tod der Kinder - DER SPIEGEL
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Afrika Der stille Tod der Kinder

Drama am Horn von Afrika, Unicef schlägt Alarm: Dürre und Hunger bedrohen das Leben von 1,5 Millionen Kindern. In Südsomalia müssen die Menschen mit drei Gläsern Wasser pro Tag auskommen. Hilfsorganisationen berichten von Kindern, die ihren eigenen Urin trinken.
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Hamburg - Die Lage am Horn von Afrika ist dramatisch. Benötigt werden Nahrungsmittel, Trinkwasser und Impfstoffe. "Um in Krisenregionen wie Nordkenia, Südäthiopien und Südsomalia schnell helfen zu können, brauchen wir in den nächsten drei Monaten mindestens 14 Millionen Euro", sagt Rudi Tarneden von Unicef. Ohne rasche Impfkampagnen seien sonst tödliche Epidemien unter den geschwächten Kindern kaum zu verhindern. Die Folge: Millionen Tote.

In Somalia nehmen verzweifelte Menschen bei Temperaturen um 40 Grad 70 Kilometer lange Gewaltmärsche auf sich, um an Wasser zu gelangen. Schon jetzt bleiben den Menschen im Süden von Somalia zum Trinken, Kochen und Waschen lediglich drei Gläser Wasser pro Tag. Die britische Hilfsorganisation Oxfam berichtet von Kindern, die ihren eigenen Urin trinken.

In einem dringenden Hilfsappell dokumentiert das Uno-Kinderhilfswerk Unicef in seinem Jahresbericht "Zur Lage der Kinder in Krisengebieten 2006" die verheerenden Lebensumstände von Kindern in 29 Ländern. Allein 20 davon befinden sich auf dem afrikanischen Kontinent. Die vernachlässigten afrikanischen Länder sind Schwerpunkt des diesjährigen Berichtes. Dort sterben nach Schätzungen von Unicef jedes Jahr über eine Millionen Kinder vor ihrem fünften Geburtstag.

"Wir müssen unsere Aufmerksamkeit auch den Katastrophen zuwenden, die nicht im Fokus der Medien stehen", sagt die deutsche Unicef-Vorsitzende Heidi Simonis. Während die vom Tsunami betroffenen Nationen noch immer von einer weltweiten Solidarität profitieren, sind in Afghanistan, Sudan, Sierra Leone und Mosambik nicht mal die Hälfte der nötigen Hilfsgelder eingegangen. Andere Länder wie Sambia, Malawi oder Tadschikistan hätten auf ihre Nothilfeaufrufe laut Unicef gar kein Geld erhalten. Solche "stillen" Katastrophen werden in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen.

Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul ermahnte auch die nationalen Regierungen, die Ursachen des Leidens entschlossener anzugehen. "Es ist schwer zu ertragen, dass es in Teilen Kenias sehr gute Ernte gibt, während in anderen Teilen des Landes die Menschen hungern", so die Ministerin.

jdl/ddp/ap

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