Ahnengalerie: Kein Kohl-Gemälde im Kanzleramt - DER SPIEGEL
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Ahnengalerie Kein Kohl-Gemälde im Kanzleramt

Im Kanzleramt hängen Gemälde der Altkanzler der Republik. Nur einer fehlt. Ausgerechnet der, der am längsten an der Macht war: Helmut Kohl. Er hat bislang keinen Gebrauch von der Möglichkeit gemacht, sich als sechster Regierungschef porträtieren zu lassen.
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Berlin - Bundeskanzler Gerhard Schröder ordnete unterdessen an, die Gemälde seiner übrigen Amtsvorgänger vom Rhein an die Spree zu transportieren. Sie sollen im neuen Kanzleramt einen Ehrenplatz erhalten.

Seit Adenauers Zeiten ist es Brauch, die Kanzler mit einem großformatigen Abbild in der Regierungszentrale in Erinnerung zu halten. Keiner der Bundeskanzler hatte Probleme, Modell zu sitzen. Kohl genierte sich bisher zu posieren. Aus diesem Grunde kam es noch zu keinem staatlichen Auftrag, ist im Kanzleramt zu hören.

Adenauer wurde von Hans Jürgen Kallmann 1963 für etwa 10.000 Mark porträtiert. Der Münchener Maler Günter Rittner verewigte zwei Kanzler in Öl: den als "Mr. D-Mark" gefeierten Ludwig Erhard und Kurt-Georg Kiesinger, den Kanzler der großen Koalition mit der SPD. Das Honorar betrug jeweils 23.000 Mark.

Am ersten SPD-Kanzler Willy Brandt versuchte sich zuerst der Kölner Georg Meistermann. Kohl ließ das abstrakte Gebilde, auf dem Brandt nach Ansicht von Kritikern einem "apokalyptischen Reiter" glich, durch eine realistischere Darstellung des Malers Oswald Petersen ersetzen. Brandt-Verehrer Meistermann bekam 35.000 Mark, Petersen musste sich mit 21.000 Mark begnügen. So kosteten die zwei Brandt-Bilder die Staatskasse 56.000 Mark.

Das höchste Einzel-Honorar von 40.000 Mark erhielt 1986 der DDR-Staatskünstler Bernhard Heisig für das Bild des SPD-Kanzlers Helmut Schmidt im Format 120 mal 100 Zentimeter. Künstler, die Politiker porträtieren, können damit nicht das große Geld machen. Die Aufträge kommen nämlich viel zu selten. Doch jeder der Auserwählten hat es nach eigenem Bekunden als Ehre empfunden, Staatsaufträge zu erhalten.

Schröder wird in Berlin der Erste sein

Schröder wird als der erste aus Berlin regierende Bundeskanzler die Ahnengalerie fortsetzen, auch wenn dazwischen der Kohl-Platz leer bleiben sollte. Der SPD-Politiker wurde bereits als niedersächsischer Ministerpräsident gemalt. Das Konterfei von 120 mal 80 Zentimeter hängt in der Staatskanzlei Hannover. Der Dresdner Maler Max Uhlig hatte fünf Bilder zur Auswahl gefertigt. Für das akzeptierte bekam Uhlig 20.000 Mark aus der Staatskasse.

Adenauer war begehrtestes Modell der Künstler. Er wurde von Malern und Bildhauern porträtiert. Dazu gehörten auch drei Frauen: die Malerin Helga Tiemann aus Köln, die lange in Berlin lebende Bildhauerin Yrsa von Leistner sowie die in Paris verstorbene Österreicherin Marie-Elisabeth von Wrede. Zu den Bildnern des "Alten" zählten auch Arno Breker, dessen Bronze in der Konrad-Adenauer-Stiftung steht, Gerhard Marcks sowie der britische Maler Graham Sutherland. Kohl hatte dessen Bild kurz vor seinem Ausscheiden aus dem Amt als Leihgabe der Adenauer-Familie im Bonner Kanzlerbau aufgehängt. Der Versicherungswert wurde auf 150.000 Mark beziffert.

Die größte öffentliche Show mit einem Porträt fand zu Lebzeiten Adenauers statt. Der 1980 in der Schweiz gestorbene Österreicher Oskar Kokoschka hatte ein Großbild geschaffen, das später im Amtszimmer von Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth einen würdigen Platz bekam. Adenauer fand die verschwommene Darstellung "ganz nett". Das Bild im Wert von 200.000 Mark war von der Illustrierten "Quick" gestiftet worden. Bei der Übergabe durch Kokoschka scherzte Adenauer über die abstrakte Darstellung: "Ja, das soll ich sein."