Aidsgala in Wien Mit Strapsen gegen Intoleranz
Wien - Federboas und Strapse im Wiener Rathaus: Tausende Menschen haben Samstagnacht auf dem Life Ball für die Aids-Hilfe getanzt und gefeiert. Das Fest ist Europas größte Wohltätigkeitsveranstaltung zugunsten von HIV-infizierten und an Aids erkrankten Menschen.
Vor dem Rathaus war ein blauer Teppich ausgerollt, über den Stars und Sternchen defilierten. Aus dem Gebäude ragte ein Laufsteg in Form einer großen roten Schleife - das Logo der Aids-Hilfe - über ein riesiges Wasserbecken mit Kaskaden. Die Liebe solle fließen, das war das Motto des 17. Life Balls. Für die Eröffnungszeremonie versammelten sich die Gäste um das Bassin mit 2,5 Millionen Litern Wasser. Die New Yorker Modeschöpfer The Blonds präsentierten eine Modenschau, und ein Wasserballett wurde aufgeführt. Er wisse noch nicht, wer sich ihn angeln werde, bemerkte augenzwinkernd der österreichische Schwimmstar Markus Rogan.
Mit Glanz und Glamour brachte der Ball im vergangenen Jahr 1,4 Millionen Euro ein. Ballorganisator Gery Keszler zeigte sich zuversichtlich, dass diese Summe trotz der Wirtschaftskrise auch diesmal erreicht wird. Die Hälfte der Life-Ball-Einnahmen wird für österreichische HIV-Positive ausgegeben, der Rest geht an Aidshilfe-Organisationen wie die Bill-Clinton-Stiftung. Der frühere US-Präsident Clinton nahm persönlich eine Spende für seine Stiftung entgegen. "Der Beitrag, den Sie leisten, hält Menschen am Leben", sagte er in seiner Rede zu den rund 40.000 Zuschauern bei der Balleröffnung am Rathausplatz.
Ein Zeichen gegen Rassismus und Intoleranz
Bei dem Fest, das dem Wiener Opernball an Prunk und Pracht um nichts nachsteht, durften Debütantenpaare genauso wenig fehlen wie der Donauwalzer. Unter den Gästen waren die aus den US-Serien "Desperate Housewives" und "The Nanny" bekannten Schauspielerinnen Eva Longoria und Fran Drescher. Für die nächtliche Party wurden in diesem Jahr die US-Rockerin Kate Perry und die Disco-Gruppe Sister Sledge engagiert.
Im Rathaus drängten sich 4000 Partygäste, die 150 Euro pro Einlasskarte bezahlt hatten. Der Ball, der 1993 als Party der homosexuellen Szene begonnen hatte, zog in den vergangenen Jahren eine immer größere Schar von Feiernden in schrillen und gewagten Kostümen an. Der Hausherr im Rathaus, der Wiener Bürgermeister Michael Häupl, erinnerte an die Bedeutung des Festes. "Der Ball ist ein Zeichen gegen Ausgrenzung, Rassismus und Intoleranz", sagte er.
Ball-Organisator Keszler dankte seiner Heimatstadt. "Das ist nach all den Jahren weltweit noch immer die einzige Aids-Charity in einem politischen Gebäude", sagte er. Keszler widmete das Fest dem im vorigen Jahr gestorbenen ehemaligen Wiener Bürgermeister Helmut Zilk, der den ersten Ball im Rathaus möglich gemacht hatte. "Jeder Einzelne ist der größte Star des Balls, jeder Einzelne soll das Leben feiern", sagte Keszler.
Die Organisatoren wenden sich vor allem gegen den sorglosen Umgang junger Menschen mit HIV/Aids. "Ich bin aus einer Generation, wo ich meine Freunde daran sterben gesehen habe", sagte der 45-jährige Keszler. Sein großes Anliegen sei, den Kampf gegen die Krankheit wieder ins Bewusstsein zu holen.