AKW Biblis Schwerer Fehler im Notkühlsystem
Berlin - Das Bundesumweltministerium sprach von einem Mangel mit "gravierender Bedeutung". Möglicherweise liege auch ein Verstoß gegen die Einrichtungsvorschriften vor. Der Mangel sei durch eine Sofortmitteilung des hessischen Umweltministeriums vom Donnerstag bekannt geworden. Beim Wiederanfahren des Reaktors nach einer Reparatur sei festgestellt worden, dass die Ansaugöffnung für die Notkühlpumpen statt der vorgeschriebenen Fläche von 5,9 Quadratmetern nur 3 Quadratmeter Fläche besitze, sagte eine Sprecherin des Bundesministeriums in Berlin.
Offen sei die Frage, wieso bei den Sicherheitsnachweisen bislang die falsche Größe zu Grunde gelegt worden sei. Ob der Mangel schon seit Betriebsbeginn des Reaktors im Jahr 1974 besteht oder erst durch spätere Einbauten entstand, ist nach Aussage der Sprecherin ebenfalls noch nicht geklärt.
Das Bundesministerium werde die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit und die Reaktor-Sicherheitskommission mit der Untersuchung beauftragen. Man werde dem Wiederanfahren des Reaktors erst dann zustimmen, wenn die Ursachen und Verantwortlichkeiten geklärt und die Sicherheit des Anlagenbetriebs gewährleistet sei. Das hessische Umweltministerium habe die Untersuchungen aufgenommen und der Bundesaufsicht zugesagt, dass Biblis A nicht wieder ans Netz gehe, bevor der Sachverhalt vollständig aufgeklärt sei.
Die betroffenen Notkühlpumpen saugen nach Angaben des Bundesministeriums bei einem Störfall mit großem Kühlmittelverlust Reaktorwasser aus dem Sumpf des Reaktorsicherheitsbehälters zurück in den Reaktordruckbehälter und kühlen den Reaktorkern. Bei einem Verstopfen der Ansaugöffnungen bestehe in einem solchen Falle die Gefahr, dass der Reaktor unzureichend gekühlt werde.