AKW Fukushima: Techniker wagen sich in Katastrophen-Reaktor 3 - DER SPIEGEL
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Japan: Die Welle erreicht das AKW Fukushima

Foto: AP/ TEPCO

AKW Fukushima Techniker wagen sich in Katastrophen-Reaktor 3

Wellen branden auf das Kraftwerk zu, das Wasser brodelt, schäumt: Neue Fotos zeigen, wie das Meerwasser in Sekundenschnelle das japanische AKW Fukushima flutete. Mehr als zwei Monate nach der Katastrophe haben jetzt erstmals zwei Arbeiter den stark beschädigten Reaktorblock 3 untersucht.
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Hamburg/Tokio - Sie trugen nicht mehr als alle anderen Helfer, die derzeit an der Kraftwerksruine Fukushima arbeiten: Mit Schutzkleidung und Sauerstoffgeräten haben zwei Männer erstmals den stark beschädigten Reaktorblock 3 von Fukushima für eine erste Bestandsaufnahme untersucht, teilte die Betreiberfirma Tepco am Donnerstag mit.

Die zwei Arbeiter hätten sich zehn Minuten in dem Gebäude aufgehalten. Die radioaktive Belastung habe dabei weniger als drei Millisievert betragen. Der Grenzwert liegt bei 250 Millisievert im Jahr. Zuvor hatten Arbeiter bereits die Reaktorgebäude 1 und 2 betreten.

Der AKW-Betreiber Tepco wurde in diesem Zusammenhang erneut wegen seiner Informationspolitik kritisiert. Die Atomaufsichtsbehörde sei erst im Anschluss über das Betreten von Reaktor 3 unterrichtet worden. Tepco habe sich dafür entschuldigt, hieß es. Beim Betreten von Reaktor 2 hätten die Arbeiter am Mittwochmorgen keine größeren Schäden an der Technik gefunden.

Im Reaktorblock 3 war es nach dem schweren Erdbeben mit anschließenden Tsunami am 11. März neben mehrerer Kernschmelzen zu einer Wasserstoffexplosion gekommen, die das Dach des Gebäudes wegsprengte. Neue Bilder zeigen jetzt, wie die Anlage von der Flutwelle getroffen wurde.

Trotz zahlreicher Rückschläge will Tepco das havarierte Atomkraftwerk bis Januar unter Kontrolle bringen. Neben der Betreiberfirma ist auch die japanische Regierung wegen ihres Umgangs mit dem Unglück in die Kritik geraten. Um Tepco vor dem finanziellen Ruin zu bewahren, stützt Japan den Konzern mit umgerechnet 43 Milliarden Euro.

Überhöhte Strahlenwerte außerhalb der Sperrzone

Die radioaktive Belastung rund um die Ruine weitet sich immer mehr aus: Erstmals fanden die Behörden in der nordöstlichen Präfektur Miyagi weit außerhalb der Sperrzone deutlich überhöhte Strahlenwerte in Weidegras, wie sie am Donnerstag mitteilten.

Die Experten fanden rund 60 Kilometer nördlich des zerstörten Atomkraftwerks eine Belastung des Grases, die das Fünffache des erlaubten Grenzwertes überschritt. Ein Kilogramm der Probe war mit 1530 Becquerel Cäsium belastet, wie Behördensprecher Inao Yamada sagte. Gesetzlich erlaubt seien in Japan für die Fütterung von Milchkühen maximal 300 Becquerel.

Der Fundort liegt deutlich außerhalb der 20-Kilometer-Sperrzone um das AKW Fukushima, die um den Unglücksort eingerichtet wurde. Diese Zone darf nur mit staatlicher Sondergenehmigung und unter Sicherheitsauflagen betreten werden. Auch einige Orte außerhalb dieser Zone wurden bereits gesperrt.

Erdbeben, Tsunami und die Katastrophe von Fukushima haben die Wirtschaft des Landes schwerer als erwartet getroffen. In den Monaten Januar bis März sei das auf das Jahr hochgerechnete Bruttoinlandsprodukt um 3,7 Prozent eingebrochen, teilte die Regierung auf Grundlage vorläufiger Daten mit. Damit sei die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal wesentlich schlechter ausgefallen als erwartet. Volkswirte hatten zuvor einen Rückgang um 1,8 Prozent erwartet. Im Vergleich zum Vorquartal sank das BIP den Angaben zufolge um 0,9 Prozent.

Im April hat sich zudem die Zahl der ausländischen Touristen in Japan massiv verringert. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sank sie auf 296.000, das entspricht einem Minus von 62,5 Prozent, teilte der japanische Tourismusverband mit. Aus Südkorea, dem wichtigsten Markt für den japanischen Tourismus, kamen 63.700 Touristen (minus 66,4 Prozent). Im vergangenen Jahr waren 8,6 Millionen Touristen aus dem Ausland nach Japan gekommen - so viele wie nie zuvor.

jjc/dpa