Alarmsystem der Tupolew "Steigen, steigen!"
Braunschweig/Ufa - Ein Woche nach der Flugzeugkollision am Bodensee hat die Bundesanstalt für Flugunfalluntersuchung am Montag in Braunschweig die Stimmenrekorder der Unglücksmaschinen ausgewertet. Danach wurden die Piloten beider Maschinen durch die Alarmsysteme an Bord gewarnt. Hätten beide Piloten auf das System vertraut, wäre es vermutlich nicht zu der Katastrophe gekommen.
In dem Bericht heißt es: Eine knappe Minute vor der Kollision (genaue Zeitangaben könnten derzeit noch nicht gemacht werden), hätten beide TCAS-Anlagen in den Flugzeugen die Warnung "Traffic, Traffic" ausgegeben. Rund 15 Sekunden habe das Alarmsystem der Boeing 757 die Aufforderung "descent, descent" ("Sinken, sinken!") gegeben und das TCAS in der Tupolew 154 die Aufforderung "climb, climb" ("Steigen, steigen!").
Etwa eine Sekunde nach dieser Warnung habe die Besatzung der russischen Passagiermaschine von der Flugsicherung in Zürich eine Anweisung erhalten: "descend level 350, expedite descent". 14 Sekunden später sei eine weitere Anweisung erfolgt: "expedite descent level 350". Der Lotsen-Befehl, unverzüglich auf eine Flughöhe von 35.000 Fuß zu sinken, war für die 71 Menschen an Bord der beiden Maschinen das Todesurteil.
Am Morgen waren die sterblichen Überreste von 31 Opfern mit einem russischen Frachtflugzeug in ihre Heimat gebracht worden, wo Hunderte Menschen zu einer Trauerfeier zusammenkamen. In Ufa beteten orthodoxe und muslimische Geistliche mit den Angehörigen für die Toten. Eine ähnliche Zeremonie soll am Freitag stattfinden.
Auch in Stuttgart wird von der Landesregierung eine zentrale Gedenkveranstaltung für die Menschen geplant, die bei der Kollision der beiden Flugzeuge in der vergangenen Wochen ums Leben gekommen waren. Bei einer Trauerfeier am Sonntag wurde in der Bodensee-Region auch der Schweizer Fluglotsen gedacht, die in der Unglücksnacht Dienst hatten. "Mit welch furchtbarer Last müssen sie fertig werden", sagte einer der Geistlichen. Der betroffene Fluglotse - sein Kollege machte zum Zeitpunkt des Zusammenstoßes gerade eine Pause - kann nach Presseberichten nicht mehr arbeiten, der Vater von drei Kindern müsse psychologisch betreut werden.