Algerien Befreite Sahara-Geiseln sind wohlauf
Berlin/Wien - Bei den freigelassenen deutschen Geiseln soll es sich den ersten Informationen um eine Gruppe aus Bayern handeln, die am 17. März in der Sahara gekidnappt worden war. Ein Pärchen und ein Mann kommen aus dem Raum Miesbach. Die beiden anderen Freigelassenen sind nach bisherigen Informationen ein 31 Jahre alter Mann aus Sulzbach-Rosenberg und eine Studentin aus Bayreuth. Der sechste Befreite aus dieser Gruppe ist ein Schwede, der schon seit vielen Jahren in Deutschland lebt.
Nach Angaben der Behörden geht es ihnen den Umständen entsprechend gut, sie seien wohlauf, und würden in Algier von der Deutschen Botschaft betreut. Der bereitstehende Medicus Airbus werde nicht gebraucht werden.
Heute Morgen konnte die Frau eines der Befreiten aus Miesbach kurz mit ihrem Mann telefonieren. Er habe ihr gesagt, dass alle deutschen Geiseln wohlauf seien und bei der Militäraktion nicht verletzt wurden, sagte die Frau gegenüber SPIEGEL ONLINE. Während der Geiselnahme seien sie gut behandelt worden. Nun warteten sie in Algier darauf, nach Deutschland ausgeflogen zu werden. Das soll am Nachmittag geschehen.
Nach algerischen Zeitungsinformationen hatten Spezialkräfte bereits am Dienstag 17 der insgesamt 32 verschleppten europäischen Urlauber befreit. Bei der Aktion seien neun Entführer getötet worden, berichtet die algerische Zeitung "El Watan". Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht. Möglicherweise habe es auch Opfer unter den Geiseln gegeben, hieß es in dem Bericht. Bei der mehrere Stunden dauernden Befreiungsaktion seien auch Soldaten ums Leben gekommen. Die Entführer seien mit Kalaschnikow-Gewehren bewaffnet gewesen.
Bundesaußenminister Joschka Fischer hatte bei seiner Reise nach Algerien noch am Dienstag seine Hoffnung bekräftigt, dass die verschleppten Algerien-Touristen "ohne Rückgriff auf Gewalt" wieder frei kommen.
Es bestehe Hoffnung, dass auch die anderen Geiseln bald freigelassen werden könnten, erklärte Innenminister Otto Schily im ZDF-Morgenmagazin. Angesichts der "sehr prekären Situation" könne er aber keine näheren Einzelheiten nennen. 10 deutsche Urlauber gelten noch immer als vermisst.
Nach der ersten Befreiungsaktion hätten die algerischen Sicherheitskräfte nun eine zweite Gruppe verschleppter Sahara-Touristen im Auge. "Das war die erste Offensive, während wir auf die zweite warten", berichtet "El Watan" unter Berufung auf Sicherheitskräfte im Süden des Landes. Die zweite Entführergruppe halte mindestens elf Geiseln in ihrer Gewalt. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür zunächst nicht.
Den Zeitungsberichten zufolge hatten Aufklärungsflugzeuge zwei Gruppen von Entführern mit ihren Geiseln ausmachen können. Die gewaltsame Befreiungsaktion sei am Dienstag im Morgengrauen in einer bergigen Gegend nördlich von Tamanrasset - etwa 1900 Kilometer südlich von Algier - gestartet worden, berichtet das Blatt. Die zweite Entführergruppe halte sich in den Bergen von Tamelrik etwa 150 Kilometer nördlich von Illizi auf.
Österreichs Außenministerin Benita Ferrero-Waldner bestätigte inzwischen, dass alle zehn Österreicher frei sind und in ihre Heimat zurückkehren können. Sie seien noch in der Nacht in ein algerisches Krankenhaus gebracht worden. Die befreiten Österreicher seien "zwar sehr erschöpft aber wohlbehalten", hieß es in einer Erklärung. "Im Hinblick auf die anderen in Algerien vermissten europäischen Touristen, die sich noch nicht in Sicherheit befinden, kann das Außenministerium derzeit keine weiteren Details bekannt geben."
Noch am heutigen Mittwoch werden die befreiten Österreicher in ihrer Heimat erwartet. Die Maschine sei bereits unterwegs und werde gegen 13.30 Uhr am Flughafen Salzburg landen, berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA unter Berufung auf den Salzburger Flughafen.
Der Österreichische Rundfunk (ORF) hatte zuvor unter Berufung auf den Salzburger Landeshauptmann Franz Schausberger die Freilassung der Touristen gemeldet. Schausberger sagte, er verfüge über Informationen, wonach die Geiseln seit 4 Uhr frei und in guter Verfassung seien.
Die Regierung in Bern konnte Angaben über eine Befreiung der Schweizer Geiseln nicht bestätigen. "Wir haben keine Kenntnis über ihr Schicksal", sagte eine Sprecherin des Eidgenössischen Departements für Auswärtige Angelegenheiten (EDA). Die Schweizer Sahara-Urlauber seien nicht aufgefunden worden.
Nach Angaben des Außenministeriums in Den Haag gehört der 35-jährige Niederländer nicht zu der Gruppe der Befreiten. Insgesamt waren 16 Deutsche, zehn Österreicher, vier Schweizer, ein Niederländer und ein Schwede verschleppt worden.