Alkohol im Cockpit: "Anschlag auf die Luftsicherheit" - DER SPIEGEL
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Alkohol im Cockpit "Anschlag auf die Luftsicherheit"

Bis zu fünf Prozent der deutschen Berufspiloten haben ein Alkoholproblem. Die Chance, dass das entdeckt wird, ist jedoch minimal. Seit Mai entfallen entsprechende Tests bei der Flugtauglichkeitsuntersuchung. Der Präsident des Deutschen Fliegerarztverbandes, Ludger Beyerle, spricht von dringendem Änderungsbedarf.
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Hamburg - Nach der Festnahme von zwei betrunkenen Flugzeugführern in Norwegen beteuerte der Pressesprecher der deutschen Pilotenvereinigung Cockpit, Markus Kirschneck, unter deutschen Piloten gebe es keinesfalls ein Problem mit Alkoholismus. "Wir werden jedes halbe Jahr vom Fliegerarzt untersucht - da würde ein Alkoholproblem sofort auffallen."

"Stimmt nicht", sagt dagegen der Mülheimer Internist Ludger Beyerle, Präsident des Deutschen Fliegerarztverbandes, der selbst regelmäßig fliegerärztliche Untersuchungen durchführt. Seit Mai dieses Jahres würden bei den Piloten-Untersuchungen keine Routine-Bluttests auf Leberschäden mehr durchgeführt, die Hinweise auf möglichen Alkoholmissbrauch liefern können.

Grund dafür sei, dass die deutschen Vorschriften im Frühjahr von den europäischen abgelöst - und dabei kräftig abgespeckt wurden. "Heute werden die Untersuchungen auf dem Stand vom 1903 gemacht", sagt Beyerle zu SPIEGEL ONLINE: "Handschlag, Ruhe-EKG, Hämoglobinwert. Fertig." Das komme einem "Anschlag auf die Luftsicherheit" gleich.

Dass die bisherigen Screeningmethoden zur Erkennung von Alkoholismus-Schädigungen aus den Untersuchungen raus gefallen seien, hätten auch die Pilotenverbände erwirkt, sagt Beyerle: "Die haben erheblichen Druck ausgeübt." Da Experten schätzen, dass etwa drei bis fünf Prozent der Piloten ein Alkoholproblem haben, könne man sich ausrechnen, was das bedeute: "Jedes zwanzigste bis dreißigste Flugzeug, das abhebt, hat einen Problemfall im Cockpit sitzen."

Der Sprecher der Vereinigung Cockpit sagte dazu jedoch, es gebe keine wissenschaftlichen Erhebungen zu diesen Zahlen. Das sei "eine infame Verunglimpfung der deutschen Piloten".

Zwar empfiehlt der Fliegerarztverband den Medizinern, weiterhin die Tests durchzuführen, der untersuchende Arzt ist aber eben nicht mehr dazu verpflichtet. Im Bundesverkehrsministerium und im Luftfahrtbundesamt sei das Problem bekannt, eine Reaktion stehe bislang aber aus.