Alles anders - DER SPIEGEL
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LEBENSLÄUFE Alles anders

• aus DER SPIEGEL 30/2009
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Maria Engl wartete vergebens auf ihren Mann, der in Afrika verschollen ist. Erich Schmid überstand drei Lebertransplantationen, und Rosemarie Gühne suchte ihren Sohn, der in Stuttgart erfroren ist. »Es sind nicht die amtlichen Daten, die eine Biografie ausmachen, es sind die Wendepunkte«, schreibt Michael Ohnewald, Leitender Redakteur der Stuttgarter Zeitung, im Vorwort seiner Porträtserie »Und plötzlich ist alles ganz anders«. Darin beschreibt Ohnewald Menschen, die Tage benennen können, an denen sich für sie alles gewendet und verändert hat, aus einem Zufall heraus oder aus innerer Überzeugung. Ohnewald schreibt nur auf, was die Menschen ihm erzählen. Das aber macht er mit viel Respekt vor dem, was er hört - Dinge, die niemand sonst vor ihm hörte; der Ex-Weltmeister am Reck Eberhard Gienger erzählt von einem Tag, an dem er darüber nachdachte, aus dem Flugzeug zu springen, ohne die Reißleine seines Fallschirms zu ziehen. Die Erzieherin Anne Messner hatte nie zuvor über den Tag geredet, an dem sie beschloss, Diakonie-Schwester Anne zu werden. »Einige haben ihren Weg zurück ins Leben bis heute nicht gefunden«, sagt Ohnewald. Andere schon, und die seien glücklicher als je zuvor.

Michael Ohnewald: »Und plötzlich ist alles ganz anders. Ungerade Lebensläufe«. Klöpfer & Meyer Verlag, Tübingen; 180 Seiten; 18,90 Euro.

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