Angeblicher Nazi-Zug in Polen: Das sind die Fakten - DER SPIEGEL
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Grabungen in Niederschlesien Die unendliche Geschichte um den Nazi-Zug

Haben die Nazis in Niederschlesien einen Zug voller Reichtümer versteckt? Hobbyschatzsucher haben mit Grabungen begonnen. Was es mit dem Mythos auf sich hat und wo genau gegraben wird - die Fakten im Überblick.
Grabungen an der Bahnstrecke zwischen Wroclaw und Walbrzych
Grabungen an der Bahnstrecke zwischen Wroclaw und Walbrzych

Grabungen an der Bahnstrecke zwischen Wroclaw und Walbrzych

Foto: Maciej Kulczynski/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Fall elektrisiert Schatzsucher aus aller Welt: Haben die Nazis in der Endphase des Zweiten Weltkriegs einen gepanzerten Zug voller Gold in einem Tunnel versteckt? Bewiesen wurde die Geschichte nie. Doch seit vor rund einem Jahr zwei Schatzsucher den Zug mit einem Bodenradar geortet haben wollen, ist im niederschlesischen Walbrzych ein Hype ausgebrochen.

Reisende und Abenteurer strömten in die Stadt am Eulengebirge, von einem touristischen Boom war die Rede. Geologen fanden den Zug zwar nicht, aber die Hobbyschatzsucher Andreas Richter und Piotr Koper glauben weiter an ihren Fund. Nun haben sie mit Grabungsarbeiten begonnen.

Wo vermuten die Amateurforscher den Zug? Wie ist der Stand der Suche? Und woher rührt der Mythos vom Goldzug? SPIEGEL ONLINE beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Wo wird jetzt gegraben?

Der Zug soll den Schatzsuchern zufolge in Südwestpolen auf Kilometer 65 der Bahnstrecke zwischen Wroclaw und Walbrzych im Untergrund liegen. Im nahe gelegenen schlesischen Eulengebirge gibt es zahllose unterirdische Gänge.

Wie verläuft die Suche?

Im August 2015 meldeten Richter und Koper den polnischen Behörden ihre Entdeckung, bis zum ersten Spatenstich mussten sie diverse Genehmigungen einholen. Als Ende Juni alle Papiere beisammen waren, ging es an die Vorbereitungen: Das Suchgebiet wurde abgesperrt, der Boden geebnet und Bäume gefällt. Am Dienstagvormittag begannen die Arbeiten. Es werde an drei Stellen und in bis zu sechs Metern Tiefe gegraben, sagte ein Sprecher des Suchteams.

Piotr Koper (l.) und Andreas Richter (2.v.l.) bei einer Pressekonferenz

Piotr Koper (l.) und Andreas Richter (2.v.l.) bei einer Pressekonferenz

Foto: Maciej Kulczynski/ dpa

Bisher gibt es keine heiße Spur. Die Schatzgräber klammern sich an jede kleine Entdeckung. So sei bereits Material gefunden worden, "das dort normalerweise nicht in der Erde vorkommt, wie Tonscherben", sagte eine Sprecherin. Dies könne ein Hinweis auf einen zugeschütteten unterirdischen Tunnel sein. "Das gibt uns Hoffnung."

Ursprünglich hatte die Gruppe einen Livestream der Arbeiten angekündigt, dies sei jedoch aus juristischen Gründen nicht möglich. Auf Facebook  informieren die Schatzsucher immer wieder über ihr Projekt.

Woher rührt der Mythos der verschwundenen NS-Züge?

Bahngleise bei Walbrzych

Bahngleise bei Walbrzych

Foto: KACPER PEMPEL/ REUTERS

Schon unmittelbar nach dem Krieg kamen Gerüchte auf, die Nazis hätten aufgrund der heranrückenden Sowjetarmee Gold, Raubkunst und wichtige Dokumente in einem Zug in einem unterirdischen Tunnel versteckt. Viele in der Region Walbrzych glauben die Geschichte, mancher widmet sein halbes Leben der Suche nach dem Goldzug. (Lesen Sie hier ein Porträt über Tadeusz Slowikowski, der seit Jahrzehnten von dem Fund träumt.)

In der Region in Südwestpolen gibt es viele unterirdische Gänge. Die Nazis hatten im nahe gelegenen Eulengebirge unter dem Namen "Projekt Riese" ein monströses Stollensystem bauen lassen, das aber nie fertiggestellt wurde. Das "Projekt Riese" ist historisch verhältnismäßig wenig erforscht, was die Legendenbildung befeuert.

Was ist das "Projekt Riese"?

Ein Tunnel aus dem "Projekt Riese"

Ein Tunnel aus dem "Projekt Riese"

Foto: KACPER PEMPEL/ REUTERS

Ende 1943 plante Rüstungsminister Albert Speer, das niederschlesische Schloss Fürstenstein bei Walbrzych zu einem neuen Führerhauptquartier umzubauen. Die Schlossbesitzer wurden 1944 enteignet, Speer beauftragte die Organisation Todt mit den Bauarbeiten.

Schon bald entstand unter dem Schloss und in dem umliegenden Eulengebirge ein umfangreiches Tunnelsystem, das den Tarnnamen "Projekt Riese" trug. Bis heute ist nicht bekannt, wie lang dieses System insgesamt ist - auch weil bei Kriegsende die meisten Baupläne vernichtet wurden.

Auch die Funktion der Anlage ist nicht eindeutig geklärt. Außer einer neuen Schaltzentrale, die auch dem Oberkommando der Wehrmacht und der Luftwaffe Platz bieten sollte, waren womöglich - ähnlich wie im KZ Mittelbau-Dora - unterirdische Waffenfabriken geplant.

Für die Arbeiten wurden Tausende Zwangsarbeiter aus dem Außenlager "Riese" des Konzentrationslagers Groß-Rosen eingesetzt. Die Schatzsucher erwarten nun bei ihren Grabungen, auf Leichen von Zwangsarbeitern zu stoßen. Sie vermuten, dass der Tunnel, den sie zu finden hoffen, ein Verbindungsstück zum "Projekt Riese" gewesen sein könnte.

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Sonntag, 21.08.2016, 22.30 - 23.15 Uhr, RTL

Weitere Themen: Tödliche Heilungsmethode - seltsame Todesfälle in einer alternativen Krebsklinik; Im Hochzeitswahn - wenn die Eheschließung zum sündhaft teuren Großprojekt wird; Nazi-Schatz oder Humbug? - In Polen haben die Grabungen nach dem Goldzug begonnen

hut/dpa

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