Anklage Gab eine Pflegemutter ihren Kindern Tierfutter?
Freiburg - Die 45-Jährige habe die Kinder im Alter von zwölf, elf und acht Jahren körperlich und seelisch gequält, berichtete ein Polizeisprecher. "Die permanenten Misshandlungen waren von einer kaum vorstellbaren Art und Weise, was schließlich zur Verwahrlosung der Kinder geführt hat."
Die Staatsanwaltschaft hat gegen die Frau beim Landgericht jetzt Anklage wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen und Verletzung der Fürsorgepflicht erhoben. Zumindest bei einem der drei Pflegekinder seien auf Dauer irreparable Schäden der Sinnesorgane diagnostiziert worden, hieß es. Die Frau äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen.
Die Pflegemutter, selbst Mutter von mehreren Kindern, hatte die drei Kinder 1992 in ihrer Familie aufgenommen und dafür Pflegegeld erhalten. "Liebe, Zuneigung und Fürsorge waren selbst in Ansätzen nicht erkennbar", sagte der Polizeisprecher. Stattdessen seien die Kinder fast täglich mit einer Reitgerte, einer Peitsche oder mit der Hand geschlagen worden.
Sie hätten wie Sklaven im häuslichen Umfeld arbeiten müssen und seien oftmals überfordert gewesen. Nicht vollständig erledigte Hausarbeiten seien durch nächtliches Überschütten mit kaltem Wasser bestraft worden. Außerdem hätten sie häufig verschimmeltes Brot und Tierfutter essen müssen. Die leiblichen Kinder seien weitgehend normal behandelt worden.
Eines der Pflegekinder, ein mittlerweile 11-jähriger Junge, hat nach Angaben der Polizei einen dauerhaften und bleibenden Gehörschaden zugezogen. Alle drei Kinder seien durch die jahrelangen Misshandlungen und Vernachlässigungen körperlich, seelisch, geistig und sozial schwer geschädigt worden.
Die Pflegekinder waren bereits im Dezember 2000 aus der Pflegefamilie herausgenommen worden. Die Polizei sei von Nachbarn auf die Missstände aufmerksam gemacht worden. Die Kinder sind mittlerweile in einer anderen Pflegefamilie untergebracht.
Das zuständige Kreisjugendamt wies Vorwürfe wegen angeblicher Untätigkeit zurück. "Für uns war diese dramatische Situation nicht erkennbar", sagte die Sozialdezernentin beim Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald, Eva-Maria Münzer. Die Jugendbehörde habe erst im Sommer 2000 durch die Polizei von den Vorgängen erfahren. "Wir hatten davor keine Anhaltspunkte für Unregelmäßigkeiten", sagte Münzer.