Annas Vergewaltigung: Hat die Polizei geschlampt? - DER SPIEGEL
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Annas Vergewaltigung Hat die Polizei geschlampt?

Der Mann, der vor knapp drei Monaten die siebenjährige Anna auf einer Schultoilette in München vergewaltigt haben soll, ist voll geständig. Nun wird er dem Haftrichter vorgeführt. Nach Angaben der Behörden war der Täter bereits im Frühjahr wegen versuchter Vergewaltigung aufgefallen. Seine Daten wurden jedoch nicht gespeichert.
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Die Nacht hatte der 19-Jährige in einer Münchner Haftanstalt verbracht. Nun soll er am Samstag dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden. Unterdessen wurde die seit Freitag andauernde Vernehmung des geständigen Mannes aus dem rheinischen Düren fortgesetzt.

Nach seiner Festnahme hatte er die Vergewaltigung der siebenjährigen Anna, wie das Mädchen zum Schutz genannt wird, gestanden. Auch zwei weitere Vergewaltigungen gestand er, sagte eine Polizeisprecherin.

Inzwischen wurde bekannt, dass zumindest die jüngsten Verbrechen möglicherweise zu verhindern gewesen wären: Wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten, hatte der Mann bereits im März und April wegen versuchter Vergewaltigung in Köln in Untersuchungshaft gesessen. Die Behörden gaben die Gendaten aber nicht in die bundesweite Datenbank ein. Hätten die Daten vorgelegen, hätte die Behörden Sven K. bereits nach seiner Vergewaltigung einer 20-jährigen Studentin in einer Münchner Klinik im August ermitteln können, sagte der Chef der Sonderkommission, Josef Ottowitz.

Die Kölner Staatsanwaltschaft erklärte, die Sven K. in Köln zur Last gelegte Tat - versuchte sexuelle Nötigung - habe eine Eintragung in die BKA-Datei nicht gerechtfertigt. "Bei Taten von nicht allzu schwerem Gewicht warten wir hier mit der Eingabe in die BKA-Datei die Verurteilung ab. Wenn er verurteilt worden wäre, wäre er dann da reingekommen", sagte die Sprecherin Regine Appenrodt. Der Münchner Oberstaatsanwalt Horst Lehmpuhl sagte dazu: "Bei uns wäre dies unter diesen Voraussetzungen erfolgt." Da die Daten jedoch nicht aufgenommen wurden, konnte auch der am Tatort in der Schule sicher gestellte Fingerabdruck die Münchner Polizei nicht zum Täter führen. Erst als er in der Silvesternacht eine weitere Frau überfiel, vergewaltigte, würgte und beraubt hatte, fanden die Ermittler die Verbindung. Das 56-jährige Opfer konnte den Täter anhand eines früheren Polizeifotos eindeutig identifizieren, wie der Weilheimer Polizeisprecher Hans Peter Kammer sagte.

In einer Ferienwohnung, in der sich der 19-Jährige für einige Tage am Starnberger See eingemietet hatte, fanden die Beamten blutverschmierte Kleidung und weiteres Beweismaterial. Der Verdächtige war noch in der Nacht mit einem Taxi nach München geflüchtet. Als er sich in einer von der Polizei überwachten Pension einmieten wollte, griffen die Fahnder zu.

Die Genspuren bei den Vergewaltigungen stammten von Sven K, der auch in München mehrmals als Straftäter aufgefallen sei. "Das DNA-Material hat mit Eindeutigkeit und zwar mit höchster Qualität übereingestimmt", sagte Ottowitz. Der Mann gehe keiner geregelten Arbeit nach und verdiene sich seinen Lebensunterhalt in der Homosexuellen-Szene. Anna "geht es inzwischen wieder so gut, dass sie wieder die Schule besuchen kann", erklärte ein Polizeisprecher.