Anschläge von London: Scotland Yard sucht das Mastermind - DER SPIEGEL
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Anschläge von London Scotland Yard sucht das Mastermind

Die Polizei glaubt zu wissen, wer die Terrorattacke auf London ausgeführt hat: Vier britische Selbstmordattentäter, zwei waren fast noch Jugendliche, einer war Vater eines acht Monate alten Babys. Jetzt fahnden die Ermittler nach dem Drahtzieher der Anschläge.
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London/Hamburg - Sie sahen aus wie normale Touristen, Londonurlauber auf einem Kurztrip. Am Bahnhof King's Cross drängten sich am vergangenen Donnerstagvormittag in der Rushhour vier junge Männer, die Rucksäcke hatten sie geschultert. Die Überwachungskameras hielten fest, wie sie sich plaudernd in Richtung U-Bahn wandten. Die Männer erschienen keinem der Passanten verdächtig. Doch nach dem Stand der Ermittlungen waren sie es, die die blutigen Terrorattacken auf die britische Hauptstadt ausführten. Um 7.48 Uhr waren sie in Luton in den Thameslink-Pendlerzug gestiegen, um 8.20 Uhr trafen sie in der britischen Hauptstadt ein. Die Endstation der Zuglinie ist King's Cross. Eine halbe Stunde später detonierten die vier Bomben, drei in den U-Bahnen, eine in einem Doppeldecker-Bus.

Von dreien der Männer, die im nordenglischen Leeds lebten, kennt die Polizei die Identität: Hasib Hussein, 19, Shehzad Tanweer, 22, und Mohammed Sadique Khan, 30. Der Name des vierten Bombers ist noch unbekannt, er soll aus Luton stammen. Bei allen vier soll es sich um Briten pakistanischer Herkunft handeln.

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London: Wer waren die Attentäter?

Foto: AP

In dem zerbombten Bus am Tavistock Square entdeckten die Fahnder Führerschein und Kreditkarten von Hasib Hussein. Seiner Familie hatte er gesagt, er fahre mit Freunden nach London. Shehzad Tanweer, nach Informationen von Sky News Sohn eines Fish-and-Chips-Restaurant-Besitzers, soll bei dem Anschlag in der U-Bahnlinie Aldgate ums Leben gekommen sein. Er habe Sportwissenschaften studiert und liebte das britische Rasenspiel Cricket, berichtet der britische TV-Sender. Mohammed Sadique Khan, der bei dem Anschlag im U-Bahnhof Edgware Road ums Leben gekommen sein soll, war verheiratet und Vater eines acht Monate alten Kindes.

Freunde Tanweers sagten dem Fernsehsender ITV News Channel, er sei in den vergangenen sechs Monaten nach Afghanistan und Pakistan gereist. Dies könne darauf schließen, dass Tanweer ein Trainingscamp der Qaida besucht habe, hieß es.

Über die Station King's Cross führen die drei U-Bahnlinien, in denen dann die Bomben explodierten. Auch der Bus, in dem eine Bombe gezündet wurde, war dort abgefahren. Auf die Spur der Männer sei man durch einen Anruf der Familie eines der mutmaßlichen Attentäter gekommen, die ihren Sohn kurz nach den Anschlägen als vermisst gemeldet hatte. Im Zuge der Ermittlungen wurde gestern außerdem ein Verdächtiger festgenommen, zu dem aber zunächst keine weiteren Angaben gemacht wurden.

Gewissheit über die Täter gebe es erst nach weiteren kriminaltechnischen Untersuchungen der Leichen, sagte ein Polizeisprecher gestern. Aber an allen vier Anschlagsorten seien persönliche Dokumente gefunden worden, anhand derer die Männer identifiziert worden seien, hieß es. Eine weitere Spur: In einem der durchsuchten Anwesen in Leeds und in einem Auto, das in der Nähe des Bahnhofs Luton geparkt worden war, fand die Polizei Sprengstoff.

Erste Selbstmordattentate in Westeuropa

Sollte sich bestätigen, dass die Terroristen bei dem Anschlag ihren eigenen Tod in Kauf genommen haben, wären dies die ersten Selbstmordattentate, die in Westeuropa begangen worden sind. Bei den Anschlägen in Madrid im vergangenen Jahr hatten die Täter ihre Sprengsätze in Taschen und Rucksäcken verpackt in Nahverkehrszügen abgestellt und ferngezündet.

Die britische Polizei sucht jetzt verstärkt nach den Hintermännern der Selbstmordanschläge. Berichten zufolge vermuten die Ermittler, dass ein Mitglied der Qaida die vier angeleitet und Großbritannien vor der Tat selbst verlassen haben könnte. Außerdem wurden Befürchtungen laut, es könnten weitere Anschläge im Vereinigten Königreich vorbereitet werden.

Es sei davon auszugehen, "dass weitere Menschen bereit sind, so etwas zu tun", sagte Innenminister Charles Clarke dem Rundfunksender BBC. Davon sei er fest überzeugt, und das Land müsse sich darauf einstellen. "Wir müssen damit rechnen, dass noch andere Menschen bereit sind, Dinge zu tun wie jene, die das am vergangenen Donnerstag getan haben", bekräftigte er.

Premierminister Tony Blair erklärte in einer von seiner Labour- Partei verbreiteten E-Mail, die Versuche von Terroristen, die Strukturen der britischen Gesellschaft zu zerstören, seien zum Scheitern verurteilt. "Wir sind entschlossen (...) sicherzustellen, dass unsere Werte und unsere Lebensweise ungeschmälert bestehen bleiben", hieß es.

Der Rat der Muslime in Großbritannien zeigte sich schockiert über die neuen Erkenntnisse. "Es sieht so aus, als seien unsere Jugendlichen in die schrecklichen Bombenanschläge gegen Unschuldige in der vergangenen Woche verwickelt", sagte der Generalsekretär des muslimischen Dachverbands, Iqbal Sacranie, gestern. Er sicherte den Behörden erneut die Zusammenarbeit zu. "Durch nichts im Islam können die bösartigen Taten der Bombenattentäter gerechtfertigt werden", sagte Sacranie weiter.