Anschlag in Boston: Tamerlan an geheimen Ort beerdigt - DER SPIEGEL
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Anschlag in Boston Mutmaßlicher Attentäter an geheimem Ort beerdigt

Sein Begräbnis stellte die Polizei vor Probleme, doch nun hat sich ein Friedhof für den mutmaßlichen Boston-Attentäter gefunden. Er wurde heimlich beigesetzt - in einem anderen Bundesstaat.
Beerdigungsinstitut in Worcester: Abzug der Polizei nach Abtransport des Leichnams
Beerdigungsinstitut in Worcester: Abzug der Polizei nach Abtransport des Leichnams

Beerdigungsinstitut in Worcester: Abzug der Polizei nach Abtransport des Leichnams

Foto: AP/dpa
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Washington - Die Suche nach einer Grabstätte für den getöteten mutmaßlichen Bombenleger von Boston hat ein Ende: Der Leichnam von Tamerlan Zarnajew ist beigesetzt - heimlich. Eine genaue Angabe über den Ort der Grabstätte machte die Polizei in ihrer Mitteilung nicht, sie liege aber außerhalb des Bundesstaats Massachusetts.

Zuvor hatten sich mehrere Friedhöfe in der Region geweigert, die sterblichen Überreste von Zarnajew aufzunehmen. Er lag bisher bei einem Bestatter in der Stadt Worcester 70 Kilometer westlich der Metropole. Die Polizei von Worcester hatte öffentlich um Unterstützung gebeten und eine "mutige und anteilnehmende Person" gesucht, die die Beerdigung ermögliche.

Der 26-Jährige soll mit seinem jüngeren Bruder Dschochar während eines Marathons in Boston zwei Bomben gezündet haben. Bei dem Terroranschlag am 15. April starben drei Menschen, weit mehr als 200 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

Tamerlan starb vier Tage nach dem Anschlag bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei. Die Todesursache sollen mehrere Schusswunden an Rumpf und Gliedmaßen sowie Traumata an Kopf und Körper gewesen sein. Der mutmaßliche Terrorist hatte sich ein Feuergefecht mit der Polizei geliefert, die ihn und seinen Bruder Dschochar verfolgte. Er soll seine gesamte Munition verschossen haben, bevor ihn sein Bruder mit einem gestohlenen Auto auf der Flucht überfuhr. Der 19-jährige Dschochar befindet sich in Haft.

Geheimdienste hatten trotz Hinweisen keinen Verdacht gegen Tamerlan

Die Geschehnisse von Boston waren am Donnerstag erstmals auch Gegenstand einer Anhörung im US-Kongress in Washington. Dabei ging es vor allem um die Frage, ob frühere Hinweise des russischen Geheimdiensts über Tamerlan Zarnajew von den US-Behörden falsch eingeschätzt worden waren. Die Bundespolizei FBI und der Geheimdienst CIA sollen ihn bereits lange vor dem Anschlag im Visier gehabt, aber keine Terrorgefahr festgestellt haben.

"Meine Sorge ist, dass die Bombenleger von Boston erfolgreich gewesen sein könnten, weil unser System versagt hat. Wir können und müssen das besser machen", sagte der republikanische Abgeordnete Michael McCaul. Er wundere sich darüber, dass Warnungen der Heimatschutzbehörde über Tamerlan nicht an andere Stellen weitergegeben worden waren.

Bostons Polizeichef Ed Davis sagte in der Anhörung, seine Behörde sei niemals über den Verdacht gegen den älteren Bruder informiert worden. Er verstehe, dass die lokale Polizei nicht unbedingt mit internationalen Geheimdienstinformationen versorgt werde. "Aber wenn es da draußen Informationen gibt, die meine Gemeinde beschützen könnten, dann muss ich sie kennen."

Der ehemalige Senator Joe Liebermann, der nach den Terrorangriffen vom 11. September 2001 an der Neuaufstellung des Sicherheitsapparats beteiligt war, forderte eine Untersuchung der Abläufe beim FBI. Es müsse festgestellt werden, ob die Untersuchung gegen Tamerlan voreilig abgeschlossen worden sei. Davis forderte zudem einen Ausbau der Videoüberwachung in US-Städten.

sun/dpa/AFP