Anschlagsgefahr: LTU stellt Flüge nach Kabul ein - DER SPIEGEL
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Anschlagsgefahr LTU stellt Flüge nach Kabul ein

Im Süden Afghanistans sind die Kämpfe mit den Taliban wieder aufgeflammt. Nun scheint auch der Luftraum über Kabul nicht mehr sicher. Auf Empfehlung des Auswärtigen Amtes in Berlin stellt LTU den Flugverkehr nach Kabul ein.
Von Horst von Buttlar
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Erst vor einem Monat hatte die Fluggesellschaft LTU beschlossen, die afghanische Hauptstadt einmal pro Woche von Düsseldorf aus anzufliegen. Bereits zweimal nach der spektakulären Premiere wurde der Flug am Dienstagabend gestrichen. Angeblich wegen zu geringer Nachfrage. Dann, am letzten Dienstag, wieder ein Flug. Heute Abend: der Flug nach Kabul - bis auf weiteres annulliert.

Grund für die Absage sei, so LTU-Sprecher Marco Dadomo, ein Schreiben des Auswärtigen Amtes. Darin würde mitgeteilt, es gebe "neue und aktuelle Informationen" über die Sicherheitslage in der afghanischen Hauptstadt. "Das ist für uns die Rote Karte", sagte Dadomo zu SPIEGEL ONLINE. Man selbst kenne die Informationen nicht. "Doch wenn das Auswärtige Amt das sagt, dann gibt es Gründe. Die sind da oberste Instanz."

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes bestätigte die Empfehlung ihres Ministeriums: "Wir stehen in engem Kontakt mit der LTU und haben auf Sicherheitsbedenken hingewiesen". Es sei aber eine interne Entscheidung der LTU. Um welche neuen Informationen es sich handelt, wollte das Auswärtige Amt nicht sagen. Hintergrund der Entscheidung: Die Linienflugerlaubnis nach Kabul für LTU war mit der Auflage verbunden worden, sich tagesaktuell über die Sicherheitslage zu informieren.

Marcus Kirschneck, Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, wertete die LTU-Entscheidung als "sehr positiv". Die Pilotenvereinigung hatte zuvor wiederholt vor Flügen nach Kabul gewarnt und als "unverantwortlich" kritisiert. Die Touristenflieger seien ein leichtes Ziel für einen Anschlag mit so genannten schultergestützen Flugabwehrwaffen. Eine zivile Maschine der afghanischen Fluggesellschaft Ariana sei kürzlich nach dem Start beschossen worden.

"Wir hoffen, die Aussetzung des Fluges ist keine einmalige Entscheidung", sagte Kirschneck zu SPIEGEL ONLINE. Auch wenn LTU den Linienflug nur vorläufig streichen will, kann es Monate dauern, bis die Strecke regelmäßig beflogen werden kann. Laut Informationen von Cockpit gehen Experten von einem Zeitraum von vier bis sechs Monaten aus.

Möglicherweise sind die wieder aufgeflammten Gefechte im Südosten Afghanistans der Grund für die Sicherheitsbedenken des Auswärtigen Amtes. Erst gestern kam die Nachricht, dass acht Soldaten der afghanischen Armee von Kämpfern des gestützten Taliban-Regimes verschleppt worden seien. Am Sonntag waren zudem zwei amerikanische Soldaten getötet und einer verwundet worden.

Laut einem Bericht der "FAZ" haben mehrere Einheiten von Taliban-Rebellen sich in der Bergregion an der Grenze zu Pakistan neu gruppiert. Möglicherweise wollen sie mit gezielten Anschlägen gegen US-Truppen, die afghanische Armee und Polizei sowie gegen Hilfsorganisationen das Land destabilisieren. Die "New York Times" hatte berichtet, dass die Zahl der in Kandahar vertretenen Hilfsorganisationen sich bereits halbiert habe.

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