Antiterror-Einsatz Terroristen-Rekruteur in München gefasst
München - Die Beamten griffen am Münchner Hauptbahnhof zu. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" nahmen sie den Iraker Mohammed L. fest, weil er kurz davor war, sich abzusetzen. Der leitende Oberstaatsanwalt, Christian Schmidt-Sommerfeld, bestätigte die Festnahme. Die Zeitung berichtet, der Iraker sei am Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt worden.
Dem 29-Jährigen werde in erster Linie das Schleusen von zwei Landsleuten nach Deutschland vorgeworfen. Die Ermittler gingen aber auch davon aus, dass L. der Anführer der Münchner Zelle von Ansar-e Islam sei. Er soll in den vergangenen Monaten die Reise von bis zu einem Dutzend Menschen in den Irak organisiert haben, die dort als potenzielle Selbstmordattentäter gegen die amerikanischen Besatzungstruppen dienen sollen.
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Ansar-e Islam ist eine Extremistengruppe, die im Kurdengebiet operierte und bei den Angriffen der Amerikaner bekämpft wurde. In der Argumentation der US-Regierung galten sie als das Verbindungsglied zwischen dem Regime Saddam Husseins und Osama Bin Ladens al-Qaida. Auf die Gruppe werden mehrere Selbstmordattentate zurückgeführt.
Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes halten sich in Deutschland etwa hundert Aktivisten dieser Gruppe auf, die meisten in Süddeutschland. Nach Angaben der Sicherheitsbehörden gebe es solche Zellen in Berlin, Hamburg, Duisburg, Köln und Frankfurt am Main, aber auch in vielen größeren bayerischen Städten, berichtete die Zeitung. Ansar-e Islam schleuse einerseits gewaltbereite Islamisten nach Deutschland und organisiere andererseits Reisen an die Front der Gotteskrieger im Irak. Gleichzeitig sammele die Gruppe Geld für den Kampf gegen die Amerikaner, heißt es in dem Bericht.
Nach Informationen der "Bild"-Zeitung ist der Zugriff in München überstürzt erfolgt. Einem Aktivisten der Zelle sei es gelungen, unterzutauchen. "Wir mussten zugreifen, sonst wäre L. weg gewesen", verteidigte der Münchner Oberstaatsanwalt August Stern die Aktion. Auch der Präsident des Bayerischen Landeskriminalamtes, Heinz Haumer, bestätigte der Zeitung zufolge, die Ermittler hätten früher als geplant zugreifen müssen.